Auch Bienen leiden unter diesem „Sommer“

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Bienen riechen 30 mal besser als Hunde – und die riechen 40 mal besser als Menschen Symbolfoto: thinkstock
 
Winfried Knaack im Imkeranzug an einem geöffneten Bienenstock auf dem Gut Karlshöhe Foto: to
Hamburg: Gut Karlshöhe |

Ernte fällt eher schlecht aus – Immer mehr Menschen in Hamburg interessieren sich für Ausbildung zum Hobby-Imker

Von Thomas Oldach
Bramfeld
Er kennt sich mit Bienen aus, wie kaum ein anderer in und um Hamburg. Schließlich ist Winfried Knaack Vorsitzender des Imkervereins Bramfeld. Und doch begegnet er seinen Schützlingen mit besonderer Vorsicht. Denn selbst er ist mal von rund 50 Bienen gestochen worden – seitdem reagiert er auf nahezu jeden Stich mit einer allergischen Reaktion. Das Notfall-Paket mit Gegenmitteln hat Knaack seitdem immer dabei. Dabei sei er damals den Tieren gegenüber nicht aggressiv aufgetreten, er habe einfach Fehler im Zusammenhang mit dem Anlegen des Schutzanzuges gemacht, sagt der 64-Jährige, der seit 20 Jahren Hobby-Imker – ausgelöst durch einen „Tag der offenen Tür“ in Bramfeld und seit zehn Jahren Chef der Imker mit ihrem Vereinssitz auf dem Gut Karlshöhe ist. Um bis zu 10 Bienenvölker – jedes zählt zum Start im Frühjahr rund 20.000 „Bewohner“, zu Hochzeiten im Sommer bis zu 60.000 – kümmert sich der Rentner.

Imkerhuus auf Gut Karlshöhe

Das seit 1990 bestehende Imkerhuus auf Gut Karlshöhe soll sich zu einem Imkerzentrum entwickeln. Das jedenfalls plant Knaack gemeinsam mit den aktuell rund 160 Mitgliedern im Alter von 7 bis 95 Jahren und damit der mit dem Imkerverein-Altona größten Imkerverein Hamburgs. „Von den gut 75 Anfängern, die in unseren Räumen Lehrgänge besuchen, ist die große Mehrheit im Alter von Mitte 30, die Frauen sind dabei in der Mehrzahl“, sagt Knaack: „Immer mehr Stadtmenschen entdecken die Liebe zur Biene und versuchen einen Teil zur Naturrettung beizutragen.“ Gar nicht so einfach angesichts eines verstärkten Einsatzes von Pestiziden und immer mehr Monokulturen in der Landwirtschaft. Weil allein 30 Imker rund um das Gut Karlshöhe ihrem Hobby nachgehen, will Knaack für alle Mitglieder nun auch in der Kommunalpolitik Mitstreiter gewinnen: „Wir möchten einen gefliesten Schleuderraum anbauen, mit Fenstern, damit Besucher das Schleudern bei der Honigproduktion mitverfolgen können.“

Schleudern löst Honig

Beim Schleudern wird der Honig durch Zentrifugalkräfte aus den Waben gelöst.„Das Schleudern ist Teil der Lebensmittelproduktion und damit strengen Hygienevorschriften unterworfen, ganz egal, ob man seinen Honig verkauft oder verschenkt“, berichtet Knaack. Deshalb darf im bestehenden Imkerhuus nicht geschleudert werden. Einige Imker haben eigene Schleudern, andere müssen ihre Honigwaben extra zu einem anderen Imker transportieren. „Die Ausstattung ist für einen kleinen Imker mit zwei bis drei Völkern eigentlich zu teuer“, sagt der Vorsitzende. Allein eine günstige Handschleuder kostet mindestens 400 Euro, für motorgetriebene kann man auch 2500 bis 2800 Euro ausgeben. Ohnehin ist das Hobby mit einigen Kosten verbunden. So kostet ein Bienenvolk rund 150 Euro – zwei sollten es zum Start schon sein. Inklusive Imkeranzug, Kästen und Rähmchen können es dann schon einmal bis zu 2000 Euro werden. Doch der Griff ins Portemonnaie reicht dem Experten nicht: „Wer kauft sich schon ein Auto, ohne vorher den Führerschein gemacht zu haben?“, fragt er und setzt auf Beratung und Schulung.

Grund-Lehrgang Imker

Und die gibt’s auf der Karlshöhe: Vom Grund-Lehrgang für etwa 150 Euro (mit zehn Terminen) und einem Strohkorb-Bindeseminar ist alles dabei. Im Rahmen der Versammlung am Montag, 11. September, geht’s um Honiglagerung und Vermarktung. Obgleich dieses Thema in diesem Jahr eine eher untergeordnete Rolle spielt. Denn die Ernte werde wohl bescheiden ausfallen, weil das Wetter mehr als ungünstig war – erst heiß im April, dann Nachtfröste bis Mai, zu feucht im Sommer. Das Ergebnis: kaum Honig. Es gibt sogar Imker im Bundesgebiet, die von der schlechtesten Ernte seit 40 Jahren sprechen. Doch davon lassen sich Knaack und seine Mitstreiter nicht abschrecken – „wir setzen einfach auf das kommende Jahr“. Zumal auch der Regionalausschuss vom Imker-Konzept überzeugt ist und sogar einen Zuschuss in Aussicht gestellt hat.

Weitere Infos zum Imkerverein Bramfeld (Jahresbeitrag aktuell 20 Euro) im Internet unter
Imkerverein Hamburg-Bramfeld und unter Telefon 640 27 80
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