Eigensinn. GEDOK-Künstlerinnen in der Hamburgischen Sezession

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Mona Wolfs (geb. 1963) malte in Hamburg 2012 „Ida Dehmel und ihre Weggefährtinnen“, v.l.n.re.: Emmi Ruben, Gretchen Wohlwill (an der Staffelei), Alexandra Povòrina, Ida Dehmel (wird gemalt), Rosa Schapire, Alma del Banco, Anita Rée, Fürstin Mechtilde Lichnowsky. Das Bild ist im Besitz der Malerin.
 
Alexandra Povòrina, Eigensinn, Köln, 1929
Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg vom 21. Oktober 2016 bis 1. Oktober 2017
                  
„Frauen dieser Art unterjochen und erniedrigen letzten Endes den Mann“, schreibt der Kultur-Chronist Gustav Schiefler über Ida Dehmel (1870-1942), die vor 90 Jahren die „Gemeinschaft Deutscher und Österreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ – kurz GEDOK – gründet. Mit rund 50 Werken, darunter Gemälde, Grafiken und Objekte aus dem Bestand der Hamburger Sparkasse und der Sammlung des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) feiert die Ausstellung das Jubiläum des Verbands, der noch heute seiner Aufgabe nachgeht, Künstlerinnen aller Sparten zu fördern und zu unterstützen. Den damals überwiegend von Männern dominierten Vereinen stellt sie damit einen Verband entgegen, der speziell der Vernetzung von Künstlerinnen und Kunstfreundinnen dient. Es ist nicht zuletzt dem „Eigensinn“ der Gründerin und der Mitglieder zu verdanken, dass sich die GEDOK in den 1920er Jahren zu einer bedeutenden, überregionalen Plattform entwickelt.

Die Ausstellung im MKG zeigt die beachtliche Vielfalt an Kunstgattungen, Stilen und Motiven der emanzipierten Künstlerinnen, die dem Verband von Beginn an angehören. Persönlichkeiten wie Anita Rée (1885-1933), Alma del Banco (1862-1943), Alexandra Povòrina (1885–1963), Elena Luksch-Makowsky (1878-1967) oder Gretchen Wohlwill (1878–1962) aus dem elitären Kreis der Hamburgischen Sezession hatten einen oft mühsamen Weg gefunden, den Konventionen zu trotzen und sich als erfolgreiche Künstlerinnen zu behaupten.
 
Alma del Banco, Tochter einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie, vollzieht eine Entwicklung von der impressionistischen Freilichtmalerei über eine von Cézanne inspirierte, expressionistische Formensprache hin zu Ansätzen des sogenannten „Hamburger Sezessionsstils“. Die Russin Alexandra Povòrina wendet sich dagegen als eine der wenigen in der Künstlervereinigung der abstrakten Malerei und später auch der Papier-Collage zu. Anita Rée erschafft nicht nur Porträts im Stil der Neuen Sachlichkeit, sondern experimentiert auch mit betont stereometrischen Landschaften und Bildnissen, auf denen hier der Fokus liegt. 1933 ging sie in den Freitod. Gretchen Wohlwill übersetzt als Matisse-Schülerin Hamburger Motive in einer flächigen Formensprache, und Elena Luksch-Makowsky thematisiert schließlich die Stellung der Frau in der Gesellschaft und in der Kunstwelt.
 
Mit ihren bundesweit über 2800 Mitgliedern setzt die gemeinnützige Organisation öffentliche Mittel zur Förderung der Kunst ein. Die Hamburger Gruppe hat ihren Sitz im „Kunstforum der GEDOK“ im Stadtteil St. Georg. Alle drei Jahre wird der Ida Dehmel-Literaturpreis und der GEDOK-Literaturförderpreis verliehen. Ebenso werden der Wettbewerb GEDOK-Prämienstiftung für Musikerinnen und der Komponistinnen-Wettbewerb der GEDOK ausgeschrieben.
 
Eine Ausstellung mit Werken aus dem MKG und aus der Sammlung Hamburger Sparkasse. Rund 350 Exponate dieser Sammlung, vor allem von Künstlern der Hamburgischen Sezession, befinden sich seit 2002 als Dauerleihgabe im MKG.

Fotos Elke Backert
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