Gedenkstätte KZ Fuhlsbüttel

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    Durch das prächtige denkmalgeschützte Portal des Torhauses betritt man die Gedenkstätte zum ehemaligem Konzentrationslagers Fuhlsbüttel. Das Torhaus wurde 1879 aus roten Ziegeln erbaut, hat links und rechts zwei kleine Türmchen und in der Mitte auf dem Dach prangt das Hamburger Staatswappen, gehalten von zwei starken Löwen.

Rechts neben dem Eingang liest man auf einer Tafel über das Konzentrationslager, dass viele politische Gegner des NS Regimes in der Zeit zwischen 1933 und 1945 durch dieses Tor in die Gefangenschaft geführt wurden.

Die Gefangenen der SS und später der Gestapo wurden in einem gesonderten Bau der Strafanstalt ohne Gerichtsurteil festgehalten, misshandelt, gefoltert und auch in den Selbstmord getrieben. Im zugemauerten Durchgang des Torhauses sieht man drei grosse schwarze Schiefertafeln. Rechts und links auf den Tafeln sind die Namen und die Jahreszahl der Ermordung zu sehen. Die mittlere Tafel hat nachfolgenden Text:

Um eines bitte ich:
Ihr, die ihr diese Zeit überlebt,
vergesst nicht.
Sammelt geduldig die Zeugnisse über die Gefallenen.
Eines Tages wir das Heute Vergangenheit sein,
wird man von der grossen Zeit
und von den namenlosen Helden sprechen,
die Geschichte gemacht haben.
Ich möchte, dass man weiss,
dass es keine namenlosen Helden gegeben hat.
Dass es Menschen waren,
die ihren Namen, ihr Gesicht, ihre Sehnsucht
und ihre Hoffnung hatten,
und dass deshalb der Schmerz
auch des letzten unter ihnen nicht kleiner war
als der Schmerz des ersten,
dessen Namen erhalten bleibt.
Ich möchte,
dass sie alle euch immer nahe bleiben,
wie Bekannte, wie Verwandte,
wie ihr selbst.

Julius Fucik, tschechischer Widerstandskämpfer, hatte dieses Vermächtnis an die Überlebenden vor seiner Hinrichtung am 08. September 1943 aufgeschrieben. Es wurde unter dem Titel:

„Reportage unter dem Strang geschrieben“

veröffentlicht.

Unter den Tafeln liegen zum Gedenken der Toten drei Trauergestecke „ehemals Verfolgter Sozialdemokraten Hamburg“, der „Arbeitsgemeinschaft Neuengamme“ und des „Reichsbanners Schwarz Rot Gold“.

Links im Vorraum geht es durch eine Tür in einen Raum, in der eine Mitarbeiterin der Gedenkstätte sitzt, die aber aufgrund ihrer Herkunft keine grossartigen Angaben über Informationsmaterial und dergleichen geben kann. Sie sei nur „Aufpasserin“. Die Tafeln und Fotos in der Ausstellung in der oberen Etage sprechen für sich.

Über ihrem „Schreibtisch“ befindet sich eine grosse alte schwarz/weiss Fotografie der Vollzugsanstalt, wie sie damals ausgesehen hatte. So ging ich dann über die Wendeltreppe in die erste Etage und sah nun diverse Tafeln, auf der die Namen prominenter Gefangener, ihre Fotos und einige überlieferte Texte zu sehen und lesen sind.

Einige Namen, Fotos und Texte werde ich später als Anhang beifügen.

Durch den Raum gelangt man zu einer zweiten Wendeltreppe und kommt so wieder im Erdgeschoss an. Auf dem Weg nach unten hörte ich Stimmen und dachte, dass ich nicht der einzige Besucher wäre, aber es war nur ein Tonbandgerät, das monoton den Tagesablauf in der Zelle aufzeigte.

Durch drei kleine Öffnungen in der Mauer konnte man dann in die Zelle hineinschauen. Sie bestand aus einer an der Wand befestigten Pritsche, einem Tischchen mit einer Waschschüssel, einem Schränkchen darüber, einem Hocker und einem Wasserhahn. Eine zweite Öffnung zeigte uns den Blick auf die Zellentür von innen und eine weitere Öffnung die Zellentür von aussen.

In einer Vitrine im Vorraum konnte man dann noch einen Bauchgurt mit Handfesseln sehen.

Es ist eigentlich schade, dass so wenig Bürger sich die Ausstellungen Bullenhuser Damm, Plattenhaus Poppenbüttel oder KOLAFU ansehen.





Nun zum Anhang meiner Beschreibung:

Es gibt eine Menge Infotafeln, auf denen viele namhafte Hamburger Bürger verzeichnet sind, die während der Gewaltherrschaft dort inhaftiert, erniedrigt und gequält wurden. Es würde den Rahmen sprengen, alle Namen und Informationen hier aufzuschreiben. So werde ich mich nur mit ein paar Opfern beschäftigen.

1. Willi Bredel; Deutscher Schriftsteller und später Präsident der Akademie der Künste der DDR, wurde Im März 1933 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in „Schutzhaft“ genommen und kam nach Fuhlsbüttel. Ein Jahr später glückte ihm die Flucht in die Tschechoslowakei und später in die UdssR. Nach Kriegsende kam er mit der Gruppe Ulbricht zurück und machte seinen Weg in der DDR, wo er 1964 in Berlin verstarb.


2. Erik Blumenfeld; Deutscher Kaufmann, Halbjude und später CDU Politiker in Hamburg kämpfte bis 1941 als Gefreiter in der Deutschen Wehrmacht, aus der er entlassen und über das KZ Fuhlsbüttel nach Auschwitz und Buchenwald überstellt wurde. In den letzten Kriegstagen gelang ihm die Flucht aus einem Berliner Lager. Als CDU Politiker übernahm er politische Ämter in Hamburg, im Bundestag und im Europaparlament. Er verstarb 1997 in Hamburg.


3. Alfred Cohn; war Bäckergeselle und Halbjude. Aus diesem Grunde und seiner Marxistischen Einstellung war keine Beschäftigung von Dauer. Er wurde in die Munitionsfabrik Krümmel vermittelt aber später aus Angst vor Sabotage wieder entlassen. Wegen des Vorwurfs der „Arbeitsbummelei“ nahm ihn die Gestapo März 1945 fest, verbrachte ihn nach Fuhlsbüttel. Am 21.04.1945 wurde er mit 70 weiteren Inhaftierten in Neuengamme ermordert.


4. Walter Schmedemann, war ein sozialdemokratischer Politiker, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und langjähriger Hamburger Gesundheitssenator. Schon im Juni 1933 kam er als Schutzhaftheftling in das Gefängnis Fuhlsbüttel, wo er einen Monat einsass. Bis November 1940 wurde er vier Mal verhaftet und verbrachte die Zeit im KZ Sachsenhausen. Nach dem 20 Juli 1944 erfolgte im August die fünfte Inhaftierung und wurde über das KZ Fuhlsbüttel in das KZ Neuengamme überführt. Er überlebte Neuengamme und wurde ein bekannter Hamburger Politiker der SPD.


5. Käthe und Richard Tennigkeit kamen aus der Gewerkschaftsarbeit. 1933 begannen sie mit ihrer Widerstandsarbeit gegen das NS System. Sie wurden im Februar 1944 von der Gestapo verhaftet. Käthe kam nach Fuhlsbüttel, wo sie angeblich im April 1944 Selbstmord begangen haben soll und ihr Ehemann, Richard wurde nach Neuengamme deportiert und verstarb dort im Dezember 1944 an Typhus.


6. Otto Groth, Sozialdemokrat und trat 1924 dem Reichsbanner Schwarz Rot Gold bei. Nachdem er Hundertschaftsführer geworden war, wurde er aus wegen seiner Zugehörigkeit zur SPD aus dem Staatsdienst entlassen. Nachdem er mit Mitgliedern des Reichsbanners in den Widerstand gegangen war, wurde er nach einem Jahr Haft in Fuhlsbüttel zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Verbüssung der Haft kam er ins Strafbataillon 999 und wurde 1944 in Jugoslawien gefangen genommen. Nach der Gefangenschaft ging er zur Hamburger Polizei und wurde dort Kommandeur der Schutzpolizei. Er starb 1987 in Hamburg.


7. Ida Ehre, war eine österreichisch-deutsche Schauspielerin, Regisseurin und Theaterleiterin. Da sie Jüdin war bekam sie 1933 Berufsverbot, wurde aber als Ehefrau eines Nichtjuden in Ruhe gelassen. Im Jahre 1943 wurde sie sechs Wochen lang in Fuhlsbüttel inhaftiert, was ein prägendes Ereignis für sie war. Ende Februar 1945 sollte sie nach Theresienstadt zwangsdeportiert werden, aber ihr gelang die Flucht. Die Tage bis Kriegsende verbrachte sie im Versteck eines Bekannten. Schon im Dezember 1945 eröffnete sie die Hamburger Kammerspiele. Aufgrund ihrer Verdienste verlieh die Stadt Hamburg ihr 1975 den Professoren Titel. Sie bekam das Bundesverdienstkreuz und wurde Ehrenbürgerin Hamburgs. Sie verstarb 1989 in Hamburg und wurde auf dem Friedhof Ohlsdorf neben Gustav Gründgens begraben.
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