Hildeboldtweg: Veraltete Maße, viele Knöllchen

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Eindeutig zu breit: Das Auto muss zwangsläufig auf dem Gehweg parken Foto: Oldach
 
160 Zentimeter Breite – da passt nicht mal ein Fiat 500 Foto: to
Hamburg: Hildeboldtweg |

Markierung für Parkplätze in Bramfeld sind für heutige Automodelle nicht breit genug

Von Thomas Oldach
Bramfeld
Wer kennt das nicht? Da freut man sich auf den Feierabend, sucht nur noch schnell als Autofahrer einen vorschriftsmäßigen Parkplatz, findet ihn – und hat dann doch am nächsten Morgen ein Knöllchen unter dem Scheibenwischer. Gibt’s nicht? Doch: Am Hildeboldtweg in Bramfeld ist das jederzeit möglich. Der Grund: Es besteht dort eine „Unwucht“ in der Absprache zwischen Polizei und Straßenverkehrsbehörde. Denn dort gibt es ausgewiesene Park-flächen, die halb auf der Straße liegen, halb aber auch in den Gehweg hineinragen. Die markierten Bereiche sind mit ausgewiesenen 1,60 Meter Breite nur viel zu klein für aktuell handelsübliche Pkw. Bringt es doch schon ein VW Golf auf 1,80 Meter. Selbst ein Fiat 500 mit 1,62 Meter Breite darf dort eigentlich nicht parken.

Reifen hinter der Linie


Anwohner des Hildeboldtwegs haben sich deshalb ans Hamburger Wochenblatt gewandt. Seit einiger Zeit kontrolliere die Polizei nahezu täglich und verteile Knöllchen an vermeintlich falsch geparkte Fahrzeuge. „Seit Jahren parke ich mein Fahrzeug, so wie etwa 90 Prozent der Anwohner, wie wir es gelernt haben – nämlich laut Verkehrsschild 315, welches das Parken mit einer Seite auf dem Fußweg erlaubt. Zusätzlich sind parallel zum Bordstein auf der Fahrbahn Parkflächenmarkierungen aufgemalt. Nun parke ich, wie die meisten anderen auch, mit den rechten Rädern auf dem Gehweg und bleibe dabei möglichst genau mit den linken Rädern in der Markierung“, so ein Anwohner. „Doch nun vergibt die Polizei Knöllchen mit der Begründung, dass auf dem Gehweg nicht genug Platz sei für Rollstühle und dergleichen. Ich müsste mit den rechten Rädern zwar auf dem Weg parken, aber mit den linken außerhalb der Markierungen. So bliebe genug Platz. Grundsätzlich leuchtet mir das ein, aber wozu dann die Markierungen?“ Ein ADAC-Verkehrsanwalt habe dem Anwohner wörtlich mitgeteilt: „Dann könnten Sie ein Knöllchen bekommen, weil sie außerhalb der Begrenzung geparkt haben. Außerdem kann es passieren, das man Ihnen den Spiegel abfährt, wenn ihr Fahrzeug aus der Reihe der anderen geparkten Autos herausragt.“ Die Straßenverkehrsbehörde müsse hier schnellstens die Parkplatzsituation regeln – etwa indem man die Begrenzungslinien entferne und so nicht suggeriere, dass man innerhalb dieser Linien parken muss. Man könne die Linien auch auf dem Gehweg ziehen und so zeigen, bis wo man parken darf, damit niemand behindert werde. „Ich habe durchaus Verständnis für die Situation von Menschen mit Handicap“, sagt der Anwohner: „Aber ein Gespräch mit den Anliegern im Vorwege der Eröffnung des Seniorenheims im vergangenen Jahr hätte sicher auch so Erfolg gehabt.“

Alte Maße sind zu klein


Die Polizei räumt auf Anfrage des Wochenblatts ein, dass es in Sachen Gehwegparken nicht nur am Hildeboldtweg Probleme gibt. Die Maße von Verkehrsanlagen würden oft nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen. So sei der Gehweg am Hildeboldtweg nur einen Meter breit „und lässt einen Begegnungsverkehr von Fußgängern und insbesondere mobilitätseingeschränkten Menschen mit Gehhilfen kaum zu“, heißt es aus der Polizeipressestelle: „Zudem werden die Kraftfahrzeuge in der heutigen Zeit immer breiter und passen häufig nicht mehr in die markierten Parkstände.“

ADAC: Besser über Markierung stellen


Der eigentliche Gehweg sei durch Betonplatten und der zum Parken freigebende Gehweg klar durch Asphalt oder Wegbaukies getrennt und damit zu unterscheiden. „Es dürfte also für jeden Fahrzeugführer ersichtlich sein, wann er verbotswidrig auf dem Gehweg parkt und Fußgänger eventuell behindert“, sagt die Polizei: „Im Rahmen der personellen und zeitlichen Ressourcen wird dieser Bereich durch Mitarbeiter des Polizeikommissariats 36 auf diesbezügliche Verstöße weiterhin überwacht.“ Doch es werden auch versöhnliche Töne angeschlagen. So gibt man den Ausführungen des ADAC Recht: „Fahrzeuge, die nicht in die Markierungen passen, dürften dort nicht parken. Diese Ordnungswidrigkeit wird aber mit großer Wahrscheinlichkeit, im Gegensatz zum Parken auf dem Gehweg, nicht geahndet.“

Behörde will Parksituation prüfen


Viele Fahrzeugführer hätten aber Angst, dass ihnen der Außenspiegel abgefahren wird und parkten deshalb weiter auf dem Gehweg „und nehmen die Behinderung von Fußgängern und insbesondere mobilitätseingeschränkten Menschen in Kauf“.
Und: Die Straßenverkehrsbehörde werde die aktuelle Lage am Hildeboldtweg zum Anlass nehmen und die Örtlichkeit überprüfen und eventuell sogar Veränderungen anordnen.
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