Wucher in Bramfelder Öko-Siedlung?

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Verwalter Kurt-Werner Mosert vor der mit Schilf bewachsenen „Kleinkläranlage“ Foto: tel
Hamburg: Bramwisch |

Braamwisch-Bewohner zahlen jedes Jahr mehr für eigene Kläranlage

Von Michael Hertel
Bramfeld
Es klingt wie Realsatire: Für ihr Umweltbewusstsein fühlen sich die Bewohner der Ökologischen Siedlung Braamwisch (42 Familien) jetzt vom (Grünen) Umweltsenator regelrecht bestraft. Es geht um die Gebühren für die „wasserrechtliche Erlaubnis“ ihrer (ökologischen), 276 Quadratmeter großen Kleinkläranlage. In dieser mit Schilf bewachsenen Anlage wird das sogenannte Grauwasser – das sind die Abwässer der Siedlung, außer Toilettenabwässer – auf biologische Weise gefiltert und gereinigt und anschließend in die Berner Au geleitet. „Jahrelang haben wir gar keine Gebühren zahlen müssen, ab 2013 mussten wir dann 120 Euro im Jahr entrichten. Inzwischen ist die Gebühr bereits auf 241 Euro geklettert, und ab 1. Januar steigt sie erneut – auf dann 436 Euro“, berichtet Bewohner Kurt-Werner Mosert (65), der einen Teil der Siedlung verwaltet. Das sei aber noch längst nicht alles, behauptet Mosert: „Gerüchteweise soll sich die Gebühr in einem Jahr nochmals etwa verdoppeln.“ Das, so Mosert, der im Namen von 17 Bewohnerfamilien spricht, sei des Schlechten dann wirklich zu viel. Die Siedlung, deren Gelände einst zum Gut Karlshöhe gehörte, sei kurz vor der Jahrtausendwende mit grün-ökologischem Anspruch gebaut worden – „möglichst autark“: ohne Sielanschluss, dafür mit Komposttoiletten, Solarzellen und Solarthermieanlage auf den Dächern.

Behörde erklärt Gebühren

Nicht alles hat sich bewährt. Den Sielanschluss gibt es inzwischen – die meisten Familien haben ihre Komposttoiletten abgeschafft. „Das waren hohe Investitionen. Jetzt zahlen wir Sielgebühren, die Gebühren für die Kleinkläranlage und noch Wartungskosten dazu. Wenn man das damals gewusst hätte...“ Mosert lässt den Satz unvollendet. Warum die Abwassergebühren so steigen, erklärt ein Sprecher der Umweltbehörde folgendermaßen: „Die Siedlung am Braamwisch ist ein aus unserer Sicht vorbildliches Modellprojekt. Es bietet ökologische Vorteile und hat für die Anwohner große finanzielle Anreize. So mussten – wie sonst üblich – keine Sielanschluss-Gebühren bezahlt werden und auch die Sielbenutzungsgebühren derzeit in Höhe von 2,11 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser entfallen hier komplett. Zwar ist eine Mindestgebühr je Einleitstelle von 436 Euro zu entrichten, die aber ist aufteilbar auf die Zahl der angeschlossenen Haushalte. Am Braamwisch teilen sich 36 Haus-Anschlüsse eine Einleitgebühr.“
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