Schöner Schein am Eulenkamp trügt

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Jens und Ilona Einfeldt, Marlies Schirach-Krauss und Susanne Brandt wollen sich den Lärm nicht länger gefallen lassen. Sie plädieren für die Asphaltierung der Straße Foto: kg
 
Jens Einfeldt misst mit eigenem Gerät den Lärm Foto: kg
Hamburg: Eulenkamp |

Lärmbelastung lässt Anwohner in Eilbek nicht schlafen

Von Karen Grell
Eilbek
Das Ehepaar Einfeldt ist überglücklich, als die Zusage für die Neubauwohnung im Eulenkamp im Stadtteil Eilbek eintrudelt. Lange haben sie auf eine neue Wohnung bei der Saga gewartet und freuen sich nun endlich aus Geesthacht wegzuziehen. Ihre Wohnung lag dort an einer befahrenen Hauptstraße. Es war laut. Im Eulenkamp versprechen sich die Rentner ein ruhigeres Leben in einer Seitenstraße. Der schöne Schein der neuen Wohnung mit dem schicken Balkon zur Straße hin erweist sich allerdings schnell als ein Albtraum. „Hätten wir gewusst, dass es hier noch lauter ist, wären wir nie hergezogen“, beklagen Ilona und Jens Einfeldt, die nachts jetzt nicht mehr schlafen können. Besonders laut sei es, weil direkt vor ihrem Haus der asphaltierte Abschnitt des Eulenkamps in Kopfsteinpflaster übergehe. „Da knallt es richtig beim Rüberfahren“, meint Jens Einfeldt, der in seinen schlaflosen Nächten ein Lärmprotokoll am Computer erstellt hat. Gerade in den ganz frühen Morgenstunden seien es die Lkw, die durch die Straße donnern, sagt auch Susanne Brandt, die im Eulenkamp 39 wohnt und das Problem der Lärmbelästigung mit vielen anderen teilt. „Wir kommen nachts nicht zur Ruhe, sind den ganzen Tag über abgespannt und können nicht einmal die Balkone nutzen. Bei der Saga angefragt, wurde, nach Angaben von Jens Einfeldt, auf die Vorabbesichtigung hingewiesen und der Möglichkeit, sich dann vor Ort zu informieren.

Messungen nicht aussagekräftig

Dr. Michael Ahrens, der Leiter der Unternehmenskommunikation der Saga nimmt dazu aktuell Stellung: „Wir haben den Mietern mitgeteilt, dass es bei geschlossenen Fenstern keine Beeinträchtigung durch den Straßenverkehr geben wird, da aufgrund der Energieklasse sehr dicke Scheiben eingebaut wurden.“ Die Mehrzahl der Interessenten habe sich dann vor Ort selber ein Bild von der Lautstärkesituation gemacht, bevor sie sich entschieden hätten zu mieten. Jens Einfeldt nahm auch Kontakt zu Polizei, Umweltbehörde und Bezirksamt auf. Überall bekam er die Mitteilung, es habe eine Geschwindigkeitsmessung gegeben, bei der eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 28 Km/h herausgekommen sein soll. „Klar“, meint das Ehepaar Einfeldt, „wer die Messtafel sieht, der bremst automatisch ab.“ Jens Einfeldt misst deshalb jetzt mit dem eigenen kleinen Messgerät die Lärmbelästigung und kommt auf eine Belastung von über
70 Dezibel. Das sei viel zu hoch, um gesund leben zu können. Auch Marlies Schirach-Krauss, die eine der schnuckeligen Seniorenwohnungen zwischen 50 und 60 Quadratmetern Größe bewohnt, teilt die Meinung ihrer Nachbarn: „Hätte ich vom Lärm hier gewusst, hätte ich mich nie für diese Wohnung beworben“.

Behörde verspricht Abhilfe

Gerade durch die massive Bebauung, die auf der gegenüberliegenden Seite liege und den Neubau, in dem sie jetzt wohne, entstehe ein Hall-Effekt, der das Rattern der Autos noch verstärke. Eine Unterschriftensammlung hat gezeigt, dass viele unter der Dauerbelastung des vorbeirasenden Verkehrs leiden. Jetzt erwarten die Anwohner von der Politik, dass gehandelt wird. Die Nachbarschaft fordert entweder eine Asphaltierung der Straße, eine 30-Zone oder das Verbot der Durchfahrt für Lkw. „Möglich wäre auch ein Kreisel am Friedrich-Ebert-Damm“, meint Marlies Schirach-Krauss. Tom Oelrichs, der stellvertretende Bezirksamtsleiter von Hamburg-Nord hat dann doch noch eine gute Nachricht: „Der Gutachter des Lärmaktionsplans 2013 hat den Fahrbahnzustand allgemein als Lärmminderungspotential erkannt und unter den lautesten Hamburger Straßen aufgelistet, bei denen vordringlich die Oberfläche mit lärmarmem Asphalt versehen werden sollte.“ Wann die Maßnahme umgesetzt werden könnte, stehe allerdings noch nicht fest. Den Anwohnern ist jetzt vor allem eine schnelle Lösung wichtig. (kg)
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