Tretrollerbahn in Dulsberg kaum genutzt

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Nahm die historische Tretrollerbahn auf dem Dulsberg genau in Augenschein: Justus mit Kickboard  Foto: nik
 
Schön sieht anders aus: Graffitis zieren das denkmalgeschützte Bauwerk Foto: nik
Hamburg: Auf dem Dulsberg |

Die Spielanlage ist kaum zu finden und verkommt nach der Sanierung

Nicole Kuchenbecker
Dulsberg
Vor gut einem Jahr wurde der historischen Tretrollerbahn auf dem Dulsberg mit rund 100.000 Euro zu neuem Glanz verholfen (das Wochenblatt berichtete). Leider nur kurzzeitig. Heute zieren Graffitis und Müll erneut die historische Anlage. Eine Tretrollerbahn ist schon etwas ganz Besonderes. Deutschlandweit gibt es nur noch zwei; eine auf dem Dulsberg, die andere in Berlin. Doch leicht zu finden ist die Hamburger Bahn nicht. Auf einem Spielplatz zwischen den Straßen Dulsberg-Süd und Dulsberg-Nord versteckt, fristet sie ihr Dasein. Unscheinbar, unerkannt. Denn kaum jemand scheint sie noch zu kennen. Hinweisschilder sind an den drei Eingängen zur Anlage zumindest nicht zu finden.

Tretrollerbahn nicht zu erkennen

Der sechs Jahre alte Justus soll die Bahn mal genauer in Augenschein nehmen. Um sie zu testen, hat er sein Kickboard mit auf den Spielplatz, der im Grünzug auf dem Dulsberg liegt, mitgebracht. Der Junge will die Strecke, eine liegende Acht, ausgiebig befahren.Die Bahn verläuft um zwei Spielplatzareale; eines für kleinere Kinder, das andere für ältere mit einer großen Kletterkugel. Dort, wo sich die Strecken kreuzen würden, ist eine Brücke. Schon von weitem sieht man die darauf geschmierten Graffitis. „Alter Teichweg“ ist in Krakelschrift zu lesen. Die Brücke samt Anlage stammt aus den 1950er-Jahren und wurde von der Gartenbauabteilung des Bezirksamtes Hamburg-Nord als liegende Acht mit zwei je einen Meter breiten Fahrbahnen entworfen. Im Sommer 2015 erfolgte dann die Instandsetzung. Durch Fördergelder des Städtebaulichen Denkmalschutzes sowie mit Mitteln privater Spender wurde die Brücke denkmalgerecht saniert. Doch wer nicht weiß, dass es sich hier um eine historische Tretrollerbahn handelt, wird sie auch als diese nicht nutzen.

Anlage fehlt der Reiz

Justus hatte kurzzeitig seinen Spaß auf der Anlage. Doch nach zwei Runden, die er allein auf der Bahn zubrachte, verließ ihn die Lust. Kein anderes Kind war mit Skateboard, Tretroller, Kickboard oder Laufrad hier zu finden. Die rund 30 Kinder auf dem Spielplatz vergnügten sich statt auf der Bahn lieber auf dem Wasserspielplatz, der Schaukel oder dem Kletterball. Viele hielten die Tretrollerbahn für einen einfachen Weg. Neben der Anlage war im vergangenen Jahr auch der Pavillon mit einem neuen Anstrich versehen und gereinigt worden. Doch ein starker Uringeruch und Müll lässt Besucher einen weiten Bogen um ihn machen. Auch den Pavillon zieren unzählige Graffitis.

Bahn wird kaum genutzt

Ob sich die rund 100.000 Euro teure Sanierungsmaßnahme gelohnt hat, ist zweifelhaft. Für zehn Minuten hat es Justus auf der Bahn gefallen. Dann war für ihn der Reiz weg. Da die Bahn nicht als solche erkennbar ist, wurde sie – zumindest beim stundenlangen Besuch des Spielplatzes – von keinem anderen Kind genutzt. Bezirksamtsleiter Harald Rösler und Jürgen Fiedler vom Stadtteilbüro haben zur Tretrollerbahn und Pavillon nun Gespräche aufgenommen.

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