„Den nennen wir EXI“

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Dr. Rainer Hoenle (Präsident, Deutscher Fallschirmsport Verband, DFV)
 
Dr. Rainer Hoenle (Präsident, Deutscher Fallschirmsport Verband, DFV) im Gespräch mit Matthias H. Schinck.
Ein Gespräch mit dem Präsidenten der Skydiver

Interview mit Dr. Rainer Hoenle

Zur Person: Dr. Rainer Hoenle (70) ist der Präsident des Deutschen Fallschirmsport Verbandes (DFV.eV.). Er springt seit 35 Jahren und hat ca. 5700 Sprünge gemacht. Dr. Hoenle ist Radiologe. Seine ersten Sprünge machte er auf einem Flugplatz in der Nähe von Celle (Niedersachsen)

Frage: Gerade haben wir die fantastischen Olympischen Spiele in London erlebt. War oder wird Fallschirmspringen jemals eine olympische Disziplin?
Dr. Hoenle: Ganz ehrlich? Nein. Ich denke es wird aus dem Grund nicht olympisch, weil Fallschirmspringen eine überwiegend von Flugzeugen abhängige Sportart ist. Bei den Olympischen Sommerspielen in Seoul (1988) ist es tatsächlich bei den Demonstrationssportarten vorgeführt worden. Die Skydiver haben dort die olympischen Ringe im Freifall gesprungen.

Frage: Dubiose Gutachten behaupten Skydiven hat das höchste Unfallrisiko mit Todesfolge.Was macht also Skydiven aus? Ist es der Nervenkitzel, Adrenalinrausch oder sogar eine gewisse Todessehnsucht?

Dr. Hoenle: Natürlich ist Spaß und die Adrenalinangelegenheit ein wichtiger Faktor. Aber noch wichtiger ist uns Skydivern das soziale Gefüge, die Gemeinschaft. Beim Springen ist es das Gefühl der völligen inneren Freiheit. Nach mehreren tausend Sprüngen lässt der Kick ein wenig nach, aber wann immer ich Zeit dafür habe, fühle ich, dass ich springen muss.

Frage: Herr, Dr. Hoenle, sie werden in diesem Jahr 71. Wie lange möchten Sie noch springen?
Dr. Hoenle: So lange es geht. Der älteste Springer in Deutschland, den ich persönlich kenne, ist 84 Jahre alt, da bleibt also noch genügend Zeit.

Frage: In kaum einem James Bond Film darf der Fallschirmsprung fehlen. Kennen Sie wirklich gute „Skydiver-Filme“? Übertreibt Hollywood, ist es tatsächlich so spektakulär? Welchen Film empfehlen Sie persönlich?
Dr. Hoenle: Der Film, der am nächsten der Skydiver-Realität kommt ist der Film „Drop Zone“. Ich würde behaupten das ganze Umfeld, das dort gezeigt wird kommt dem schon Nahe. Die Geschichte selbst, die erzählt wird, der Kriminalfall, ist reine Fiktion. (Anm. "Drop Zone", USA 1994, in der Hauptrolle Wesley Snipes)

Frage: Fast alle Skydiver haben einen Spitznamen. Sie werden hier nur „EXI“ gerufen. Was hat es damit auf sich?
Dr. Hoenle: Das ist nicht ganz Jugendfrei.(lacht) Es war in meiner Anfängerzeit, also vor 35 Jahren in der Nähe von Celle. Und wie das bei jungen Leuten so ist, wird in der Gruppe gescherzt. An einem dieser Abende, in der Kneipe sagte ein Freund: „Für 10 Mark lasse ich „ihn“ sehen!“ Ich sagte: „Ich mach's für 50!“ Gesagt getan. Ein Gast in der Kneipe rief: „Schau mal das ist ein Exhibitionist! Den nennen wir EXI.“

Frage: Was empfehlen Sie einem Menschen, der sich für Skydiven interessiert? Erst mal einen Tandemsprung oder gleich eine fundierte Soloausbildung?
Dr. Hoenle: Das kann ich Ihnen genau sagen. Die meisten Tandemspringer sieht man ein mal und dann kaum wieder. Am Besten informieren Sie sich zunächst an einem in ihrer Nähe befindlichen Sprungplatz. Hier bei Hamburg wäre das zum Beispiel der „YUU Skydive“, der auch der Ausrichter dieser deutschen Meisterschaften ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Matthias H. Schinck

Mehr Informationen finden Sie auf der offiziellen Homepage des DFV: http://www.fallschirmsportverband.de/
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