Noch kein Sieg – der HSV taumelt

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Tabelle 1: Die vorherigen Saisons des HSV
 
Tabelle 2: Erfolge des HSV

Quo vadis, HSV? Einmal mehr muss sich der Bundesliga-Dino die Frage gefallen lassen, wie es dazu kommen kann, dass er nach dem sechsten Spieltag noch immer keinen Sieg einfahren konnte und mit nur einem Punkt die Rote Laterne der 1. Fußball-Bundesliga hochhält. Einmal mehr deshalb, weil in den letzten Jahren die Situationen ähnlich war.



Den schlechtesten Sturm, die schlechteste Abwehr, fünf Spiele verloren, nur ein Spiel unentschieden. Die Verantwortlichen zogen relativ schnell die Notbremse und beurlaubten Trainer Bruno Labbadia bereits nach dem fünften Spieltag. Bis dahin hatte der HSV die eine oder andere Schmach hinnehmen müssen.

• Im Auftaktspiel gegen den FC Ingolstadt musste der HSV ein Unentschieden (1:1) hinnehmen.
• Am 2. Spieltag verlor die Mannschaft nach einer 1:0-Führung in Leverkusen mit 1:3. Bis zur 91. Minute stand es noch 1:1, danach traf Leverkusen doppelt.
• Sang- und klanglos gingen die Hanseaten gegen den Aufsteiger RB Leipzig vor eigenem Publikum mit 0:4 unter.
• Auch der zweite Aufsteiger, der SC Freiburg, brachte dem HSV kein Glück, das Spiel ging mit 0:1 verloren.
• Am 5. Spieltag empfing der HSV den Deutschen Meister Bayern München. Hier verlor man ebenfalls, allerdings nur denkbar knapp mit 0:1. Das Siegtor fiel zwei Minuten vor Ende der Partie.

Gisdol soll es richten


Seit dem sechsten Spieltag hat das Ruder nun ein Neuer in der Hand: Markus Gisdol, der einst als Co-Trainer beim FC Schalke 04 beschäftigt war und danach die Geschicke der TSG 1899 Hoffenheim lenkte. In der letzten Saison wurde er nach dem 10. Spieltag wegen Erfolglosigkeit entlassen. Damals hatte Hoffenheim nur einen Sieg aus zehn Spielen auf der Habenseite und rangierte mit nur sechs Punkten auf Platz 17. Nun soll er also beim HSV das Ruder herumreißen. Das erste Bundesligaspiel unter seiner Führung ging zwar mit 0:2 gegen Hertha BSC verloren, das aber macht ihm keiner zum Vorwurf.

In der Länderspielpause setzte man dann ein Testspiel gegen den Drittligisten 1. FC Magdeburg an. Was Gisdol da sah, dürfte ihn nicht sonderlich erfreut haben. Zwar gewann der HSV mit 2:1, das aber nur denkbar knapp. Außerdem war über die gesamte Spielzeit keinerlei Klassenunterschied zu erkennen. Viel Zeit bleibt Gisdol nicht, um die Mannschaft auf das nächste Spiel vorzubereiten. Bereits am kommenden Samstag muss der HSV auf den Bökelberg zu Borussia Mönchengladbach.

Parallelen zu den letzten Jahren


Sieht man sich die letzten fünf Spielzeiten an, dann kann man erschreckende Parallelen feststellen. Einzig die Saisons 2012/13 und 2015/16 machten eine Ausnahme, wobei man sich da auch nicht mit Ruhm bekleckerte.

Siehe Tabelle 1

In der Saison 2011/12 konnte die Relegation gerade so verhindert werden. 2013/14 blieb man nur drin, weil man in der Relegation auswärts ein Tor bei der Spielvereinigung Greuther Fürth geschossen hatte (Hinspiel 0:0 zuhause, Rückspiel 1:1 auswärts). Auch 2014/15 musste man in die Relegation, dieses Mal gegen den Karlsruher SC. Das Hinspiel ging 1:1 aus, das Rückspiel gewannen die Hamburger erst nach Verlängerung mit 2:1.

„Der HSV schafft das!“


Noch steht man am Anfang der Saison, noch ist nichts verloren. Wie es laufen kann aber weiß man nur allzu gut. Aufmunternde Worte gibt es derweil von Günter Netzer, dem einstigen Manager des HSV: „Es sieht nicht schön aus, das ist wahr. Traurig, was in den letzten Jahren passiert ist. Doch ich bin sicher, dass der HSV nicht absteigen wird“, so Günter Netzer zur BILD. Doch kann es das Ziel der einzigen Mannschaft, die seit Gründung der Bundesliga im Oberhaus spielt, sein, immer am Abgrund herumzudümpeln? Wohl kaum. An die einst glorreichen Zeiten ist derzeit allerdings nicht zu denken.

Siehe Tabelle 2

Bei den Buchmachern gehört der HSV dagegen zu einem der Abstiegskandidaten. Die Wettquoten wie etwa bei bet365 zeigen, dass die Hamburger ein Hauptanwärter auf den Abstieg in die 2. Liga sind. Hinter Darmstadt, Freiburg und Ingolstadt sind sie auf Platz 4 zu finden, zusammen mit Frankfurt und dem 1. FC Köln.

Ex-Trainer attackiert HSV-Boss


Hart ins Gericht mit dem Hamburger SV geht derweil ein ganz anderer: Ex-Trainer Armin Veh sieht im HSV-Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer den Schuldigen für die diesjährige Misere. In seiner Kolumne bei Sport1 fand Veh deutliche Worte:

• „Es sieht so aus, als hätte Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer keinen Plan. Ich muss doch einen starken Vorstand haben, der bestimmt, wie das Geld eingesetzt wird.“
• „Ich kann nicht sagen: Ich mache jetzt den Sportchef und sechs Monate später sage ich, es ist mir doch zu viel – so kann ich keinen Verein führen.“

Der Hintergrund: Im Mai machte sich Beiersdorfer selbst zusätzlich zum Sportdirektor, nachdem Peter Knäbel entlassen wurde. Fünf Monate später will der 52-jährige diesen Job aber wieder abgeben. Grund: die Doppelbelastung. Auf der Suche nach einem neuen Sportdirektor wurde man bisher allerdings noch nicht fündig.

Positive Schlagzeilen lassen auf sich warten


Man kann es drehen und wenden wie man möchte, nach positiven Schlagzeilen sucht man derzeit vergebens, wenn es um den Hamburger SV geht. Einzig die Schlagzeile, dass der langjährige Torhüter Rene Adler seinen Vertrag gerne verlängern und auch nach 2017 das Trikot der Hanseaten tragen möchte, macht Hoffnung. Allerdings hat Adler bereits eine Bedingung gestellt: „Ich fühle mich hier superwohl und will noch fünf, sechs Jahre möglichst erfolgreich spielen. Wir werden sicherlich eine Lösung finden.“ Erfolgreich spielen ist ein frommer Wunsch, den man im Verein schon lange hat.

Der neue Trainer hat zwei Wochen nach Amtsantritt bereits einen Plan. Er möchte mit einem 4-3-3-System den Gegner quasi überrennen. Was in Magdeburg noch nicht so recht klappte, soll gegen Gladbach den Erfolg zurückbringen. In Hamburg hofft man das inständig.
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