35 Jahre Goldbekhaus in Winterhude

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Das Goldbekhaus feiert am 10. und 11. September auf dem Hofgelände am Moorfurthweg: Bernd Haß und Peter Rautenberg (l.) sind schon voller Vorfreude Foto: Holley
 
Winterhuder demonstrierten in den 1980iger Jahren für ihr Goldbekhaus Repro: wb

Hamburger Kultur- und Stadtteilzentrum feiert am 10. und 11. September am Moorfuhrtweg

Von Nina Holley
Winterhude

Es ist weiß, von außen nicht sonderlich spektakulär. Doch die Geschichte des heutigen Goldbekhauses, das jetzt sein 35-jähriges Bestehen feiert, ist dafür umso interessanter. Nicht immer gab es an dem Ort Theater, Kabarett, Flohmärkte oder Musik. Auf dem Gelände am Moorfuhrtweg wurden einst Chemikalien hergestellt. Die Firma Schülke & Mayr hatte hier ihren Sitz. Direkt am Goldbekkanal wurde das Markendesinfektionsmittel „Lysol“ hergestellt, das bei der Cholera-Epidemie 1892 in Hamburg erfolgreich eingesetzt wurde. Apropos Erfolg: darauf können die Macher des Goldbekhauses stolz zurückblicken. Vor mehr als drei Jahrzehnten begann die Geschichte des Kulturzentrums. Doch wie kam es dazu? „Anfang der 1970iger Jahre wollten einige Bürger die Freizeitsituation in Winterhude verbessern. Sie gründeten einen Bauspielplatz am Poßmoorweg, Ecke Barmbeker Straße und schon bald entstand die Idee zu einem Stadtteilkulturzentrum“, sagt Geschäftsführer Bernd Haß. Winterhude befand sich damals im Wandel vom Industriestandort hin zu einem Dienstleistungsstandort, der aber auch etwas für die Freizeit bieten sollte. Langsam entstanden Veranstaltungen wie auch Stadtteilfeste und schnell kam es zur Gründung mehrerer Vereine. Mitte der 1970iger Jahre schlossen sich dann vier Vereine – bestehend aus einem für Breitensportkultur, einem Kulturverein, einem für Kinder- und Jugendarbeit und dem Internationalen Treffpunkt Winterhude – zusammen und bildeten den Trägerverein Goldbekhaus. Diese Bewegung war etwas Besonderes – eine andere Form der Kultur, die bis dato so noch nicht überall toleriert wurde. „Denn bis dahin wurde die sogenannte Hochkultur wie zum Beispiel Theater und Staatsoper als die alleinige Form von Kultur angesehen. Dass man selbst auch etwas bewegen kann, das war damals nicht Usus“, erklärt Haß. Mit dem Engagement der Bürger wurde der Stadtteil aufgewertet. Es gab nun einen Ort, um sich selbst zu verwirklichen und auch um für politische Dinge zu kämpfen. „Hier traf sich zum Beispiel die Anti- AKW-Bewegung“, sagt Peter Rautenberg, der schon seit 1989 im Goldbekhaus arbeitet, für Kurse und Events jeglicher Art zuständig ist.

Erste Kulturförderung in der Hansestadt


Der Elan der Bürger sollte sich bald auszahlen: so wurde das Goldbekhaus als eine der ersten Projekte vom Senat mit einem Förderprogramm für Stadteilkultur bedacht – bis heute. Auch das Motto „Kultur für alle von allen“ ist geblieben. „Heute wie damals wollen wir Inhalte schaffen, die viele Menschen interessieren und zusammenbringen“, so Haß. Aber was hat sich in der Zeit verändert? Rautenberg: „Anfangs war alles sehr locker, noch unstrukturiert. Heute bieten wir ein ausgeklüngeltes Kursprogramm an. Bürgerinitiativen treffen sich nach wie vor bei uns. Es werden Themen wie Bunkerabrisse besprochen. Allerdings sind die Reibepunkte zwischen den Initiativen und der Stadt geringer geworden.“ Aktuell liegt den Kulturliebhabern besonders ein Projekt am Herzen: „Wir im Quartier“. Integration fördern, sich mit Geflüchteten austauschen, ihnen zuzuhören – das ist das Ziel.

Geld ist knapp


Gerne hätte Haß zum anstehenden Jubiläum die Räume mit einem neuen Anstrich versehen, doch das Geld ist knapp. Miete, Strom, Wasser – die Kosten steigen. „Deshalb hoffen wir auf weitere und höhere Fördermittel“, sagt Haß. Die kommenden Jahre will er sich weiterhin für das Goldbekhaus einsetzen, denn zusammen mit dem Goldbekhof, in dem viele Künstler ansässig sind, ist es ihm ans Herz gewachsen. Schließlich ist er seit 1992 mit von der Partie. War für Kurse, Raumorganisation und die Finanzen zuständig, bevor Haß 2001 zum Geschäftsführer wurde. Auch Rautenberg möchte das Haus nicht missen. „Es ist einfach schön mit einem Publikum zu arbeiten und die Entwicklungen im Laufe der Jahre zu sehen.“ Flohmärkte, Theaternächte, Comedy – das Programm ist vielfältig. Einst stand sogar der Comedian Mario Barth bei der „Mixed Show“ auf der Bühne. „Da kannte ihn aber noch niemand“, sagt Rautenberg. Schöne Momente haben sie in den vergangenen Jahren hier am Moorfuhrtweg gehabt, betonen Haß und Rautenberg. Was war das Beste? „Es gibt viele, die sich beim Verlassen einer Veranstaltung bei uns bedanken. Wir kennen viele Stammgäste und lernen auch ständig neue kennen. Das ist schön und so soll es hoffentlich auch die kommenden Jahre sein“, sagt Rautenberg. Bleiben da noch Wünsche für die Zukunft offen, außer einer dauerhaften finanziellen Sicherung? „Aber klar“, sagt Haß mit einem Lächeln. „Dass das „Wir im Quartier“-Format weiterhin gut läuft, dass noch mehr direkter Input von Flüchtlingen kommt und wir zusammen wachsen. Und natürlich hoffen wir immer auf gute Resonanz.“

Und gefeiert wird natürlich auch: am 10. und 11. September, jeweils 13 bis 21 Uhr auf dem Hofgelände. Weitere Infos: Goldbekhaus
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