400. Lesung im Waschhaus

Anzeige
Brachte die Literatur-Kultur ins Waschhaus: Peter Schütt sorgt für das bunte Programm der Lesungen Foto: Haas

Kleinster Literaturbetrieb im Hamburger Norden feiert Jubiläum. Peter Schütt leitet Autorengruppe

Von Waltraut Haas
City Nord
Am 1. Mai findet die vierhundertste Waschhauslesung am Wesselyring statt: Ellen Sell liest zu Ehren des 400. Todestags von Miguel de Cervantes eine moderne Don-Quijotterie mit Hamburg-Bezug: „Un final feliz –ein glückliches Ende“. Laszlo Kova folgt mit seiner Erzählung „Schwimmen ums Leben“ und begleitet die Lesung auf der Gitarre. Anschließend wird das runde Jubiläum gefeiert. Im Jahr 2003 startete der „kleinste Literaturbetrieb“, den Dr. Peter Schütt ins Leben rief. Damals war der Literaturwissenschaftler und Schriftsteller umgezogen - aus Eppendorf in die City Nord. Am Wesselyring 51 sollte ein von der Wohnungsbaugesellschaft Saga betriebener Waschsalon abgerissen werden. „Zur Rettung des Waschhauses beteiligte ich mich sofort in einer Mieter-Initiative“, erinnert sich Schütt. Der Kompromiss: Die Saga restaurierte das Waschhaus und überließ es der Initiative. Seither bietet ein Gemüsehändler zur Straße hin seine Waren an. Der rückwärtige Teil des Waschhauses dient als Nachbarschaftstreff und für Familienfeste. Für ein Kinderprogramm sorgt der Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) im „Projekt Wesselyring“.
Sonntags wird Literatur ganz groß geschrieben: „Es sind Treffen in einem kleinen gemütlichen Rahmen“, sagt Peter Schütt (76). Mit seinen Kontakten zu Autoren und Künstlern sorgt er regelmäßig für ein bunt gemischtes Programm. Während 45 Minuten präsentieren Schriftsteller ihre Werke. Auch Poetry Slams, Musik oder bildende Kunst werden geboten. „Bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen gibt es anschließend oft heiße Diskussionen.“ Seine Nachbarn stellen gut die Hälfte des Publikums. „Viele haben türkische oder afghanische Wurzeln“, erklärt Schütt, der 1991 zum Islam konvertierte. Für seine Mitbewohner am Wesselyring sei er jetzt wohl eine Art Vaterfigur. „Schon mein Vater hat als Dorfschullehrer den Bauern bei wichtigen Behördenbriefen geholfen. Jetzt mache ich das für meine Nachbarn.“ So verfasst der Schriftsteller ganz nebenbei eine Menge Briefe. Auch bei Konflikten suchen Nachbarn ihn als Vermittler auf. Schütt ist aktives Mitglied im Stadtparkverein und leitet zudem eine Schreibwerkstatt: Seit 2003 treffen sich Autoren alle 14 Tage im Waschhaus. Das Buch „Stadtpark – mon amour“ stammt aus ihrer Feder. Jetzt arbeitet die Autorengruppe an einer neuen Geschichtensammlung. Hochaktueller Arbeitstitel: „Fluchtpunkt Hamburg“.

Sonntag, 1. Mai, 16 Uhr, Waschhaus, Wesselyring 51, Eintritt frei. Weitere Infos: Waschhaus am Wesselyring
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige