Auf der Suche nach Heimat

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Neta Riskin ist Noa, eine israelische Studentin in Berlin auf der Suche nach sich selbst Foto: Film Kino Text

Hamburger produziert eine jüdisch-deutsche Filmgeschichte. Jetzt im Abaton

Rotherbaum Ein Farbiger bemüht sich ein Wort zu erklären, das es, so erläutert er, in der deutschen Sprache nicht gibt.
„Saudade“ - das bedeutet so etwas wie Sehnsucht, Melancholie. Noa filmt ihn dabei. Sie arbeitet an ihrer Abschlussarbeit: über unübersetzbare Wörter. Noa ist Israelin, studiert in Berlin – und die Hauptperson von Ester Amramis Film „Anderswo“, der jetzt im Abaton-Kino zu sehen ist. Als Noas Arbeit nicht verstanden und abgelehnt wird, reist sie spontan zu ihrer Familie nach Israel. Ein aufreibender Trip in die Vergangenheit beginnt. Um den eigenen Weg zu finden.
Auch Ester Amrami ist in Israel geboren und heute Berlinerin. Der Produzent aber ist ein Hamburger. Dirk Manthey produziert seit vielen Jahren Filme, die ihm am Herzen liegen. Damit verdient Manthey selten etwas.

Produzent Dirk Manthey


Im Gegenteil, er muss als Regisseur, in seinem eigentlichen Beruf, arbeiten, um die Filme seiner Wahl zu produzieren. Da helfen langjährige Verbindungen und Freundschaften. „Es geht mir immer um Stoffe und nicht um Geld“, erzählt Manthey. Wie mit „Anderswo“. Durch Freunde und die Filmförderung lernte er Ester Amrami und ihr erstes abendfüllendes Spielfilmprojekt kennen. Die Regisseurin ist voll des Lobes über ihren Produzenten: „Ich weiß, dass ich mit ihm viel Glück gehabt habe, denn er legt genauso wie ich viel Wert auf eine kooperative Zusammenarbeit, in der gegenseitiger Respekt und Anerkennung einen sehr hohen Stellenwert besitzen.“

Unterhaltsam und ernst


Mit „Anderswo“ ist Amrami ein unterhaltsamer Film über die Suche einer Frau um die 30 nach sich selbst und über Heimatlosigkeit gelungen. Noa weiß nicht, wo sie hingehört, zu ihrer anstrengenden israelischen Familie oder nach Deutschland zu ihrem Freund Jörg, der ihr nach Israel nachreist, ihr aber nicht weiterhelfen kann. Ende der Beziehung? Vielleicht.
Auch die unheilsame jüdisch-deutsche Vergangenheit spielt wie fast in jeder israelischen Familie eine Rolle. Noas Oma, die während ihres Aufenthaltes in Israel erkrankt, verlor ihre Familie im Holocaust. Vor allem dank Ester Amramis überzeugend, mit sicherem Timing erzählter Geschichte und der herausragenden Hauptdarstellerin Neta Riskin ist „Anderswo“ ein höchst sehenswerter Film. (ch)

Abaton Hamburg, Allendeplatz 3/Ecke Grindelhof, Tickets unter 413 20 320,
Programm auf www.abaton.de
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