Ausstellung „Frauenbilder“ im Kunsthaus an der Alster

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Carolin Beyer beim Selbstporträt: die Harvestehuder Malerin liebt die Porträtmalerei Foto: Hanke
 
Auch den kürzlich verstorbenen Schriftsteller Roger Willemsen hat Carolin Beyer gemalt Foto: privat

Malerin Carolin Beyer aus Harvestehude hat sich den Porträts verschrieben

Von Christian Hanke
Harvestehude
Die Galerie der Porträts beeindruckt sofort, wenn man das Atelier von Carolin Beyer betritt und zeigt gleich, womit sich die Malerin hauptsächlich beschäftigt: Mit Menschen, deren Entwicklung und den unterschiedlichen Sichtweisen auf sie. „Menschen sind immer mein Thema gewesen“, sagt
Carolin Beyer, die gerade einige Frauenporträts für die Ausstellung „Frauenbilder“ im Kunsthaus an der Alster, Alsterchaussee 3, ausgewählt hat, die dort bis zum 30. Oktober in einer Gruppenausstellung zu sehen sind. Ausgewählt aus einem Zyklus mit prominenten Zeitgenossen, zum Beispiel dem Designer und Bühnenbildner Peter Schmidt und Hellmuth Karasek sowie der Journalistin Tanja Seibert. Seit 1992 ist Carolin Beyer freischaffende Malerin mit dem Schwerpunkt Porträt. Sie malt Menschen, die sie interessieren und hin und wieder auch sich selbst. Sie wird aber auch mit dem Malen von Porträts beauftragt. Auch davon zeugt ihr Atelier: Auftragswerke von Menschen jeden Alters. „Ich bin mit der Porträtmalerei so gut wie verheiratet“, sagt die Malerin schmunzelnd über sich selbst. Das kostet sie viel Zeit und Einsatz. Denn wer von Carolin Beyer gemalt werden möchte, kommt nicht nur einmal in ihr Atelier, setzt sich in Pose, wird gemalt und geht wieder. Es ist ein längerer Prozess, der manchmal Monate dauern kann. Zuerst trifft sich die Malerin mit dem Menschen, den sie malen will, und versucht sich zunächst in einem Gespräch ein inneres Bild von ihm oder ihr zu machen. „Das ist der wichtigste Termin. Es ist ein bisschen wie beim Arzt: sozusagen die Erstdiagnose. Die Menschen erzählen von sich und bringen manchmal auch Fotos von sich mit“, berichtet die Porträtspezialistin. Diese Informationen setzt die Malerin wie bei einem Puzzle zu einem einzigen unverwechselbarem Bildnis zusammen, sozusagen ein Bild aus vielen Bildern, um den unverstellten Ausdruck des Menschen auf der Leinwand darzustellen. „Ich versuche herauszubekommen, wann ein Mensch am meisten er selbst ist und das Fotogesicht fallen lässt. Für mich ist ein Porträt erst dann gelungen, wenn ich es geschafft habe, dieses eigentliche Gesicht einzufangen“, erklärt Carolin Beyer. Manchmal nicht so einfach – wie bei der Dame, die jedes Mal nach einem Friseurbesuch ganz anders aussah oder bei Prominenten, die in Fotogesichtern sehr geübt sind. Roger Willemsen, den die Harvestehuderin mehrmals porträtierte, sprach beim Betrachten seines Portraits von „einem ersten freudigen Erkenntnisschrecken“. Menschen haben die in Harvestehude geborene Malerin, die in ihrem Elternhaus lebt und arbeitet, schon seit ihrem Kunststudium an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften fasziniert. Malerin wollte sie schon immer werden, „seit ich einen Stift halten kann.“ Zudem ist auch ihre Mutter Marie-Luise Beyer Malerin, die im selben Haus ihr Atelier hat. „Wir machen viel zusammen. Das ist anregend und befruchtend“, erzählt die Tochter. Neben der Porträtmalerei bildet Carolin Beyer aber auch Landschaften ab. Norddeutschland steht da im Mittelpunkt, aber auch Spanien: Stürme bei Dagebüll, der Hamburger Hafen, die bedrohliche Nordsee, Mallorca und Andalusien: „Ich suche das Spezielle in der Landschaft, charakteristische Momentaufnahmen. Und ich suche immer den Ursprung“, erläutert die Malerin. Kann sie eigentlich, ohne ans nächste Bild zu denken, durch die Welt gehen? „Nein, ich habe immer schon das nächste Bild im Kopf. Ich kann meine Augen ja nicht abschalten.“

Ausstellung Frauenbilder: Kunsthaus an der Alster
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