Breakdance Ost

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Die „Dessau Dancer“ in Aktion Foto: Wildbunch-Filmverleih

Winterhuder Magazin zeigt Komödie „Dessau Dancers“

Winterhude „Goodbye Lenin“ war ein Riesenerfolg an der Kinokasse, ebenso „Sonnenallee“, Filme über Jugendliche in der DDR. Warum nicht „Dessau Dancers“ – immerhin besetzt mit bekannten Schauspielern wie Wolfgang Stumph? Die im April bundesweit gestartete Komödie über die Breakdance-Begeisterung in der DDR anno 1985 nahmen nur Kinos im Osten der Republik in ihr Programm auf. Nur im Osten? Nein, ein kleines Kino in Hamburg, das Magazin Filmkunsttheater, Fiefstücken, Ecke Efeuweg, trotzt dem Bundestrend. In Winterhude startet „Dessau Dancers“ am Freitag, 12. Juni, um 16 Uhr.
Worum geht´s? Von der westdeutschen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet löste der amerikanische Breakdance-Film „Beatstreet“ 1985 eine Begeisterungswelle in der DDR aus. Jugendliche stürmten die Kinos, überall im sozialistischen Deutschland schossen Breakdance-Gruppen wie Pilze aus dem Boden. Sehr zum Ärger der Hüter der Moral im deutschen Arbeiter- und Bauernstaat. Doch statt drakonische Strafmaßnahmen anzuordnen kamen die SED-Funktionäre auf eine andere Idee. Sie vereinnahmten den „imperialistischen Brechtanz“ als „sozialistischen Schautanz mit akrobatischen Einlagen“. Die Folge: Breakdance unter Anleitung von linientreuen Sportlehrern. Sehr zur Belustigung der jungen „Schautänzer“.
Die Tanz-Komödie mit viel DDR-Jugend-Power, in der auch schwelende Freiheitssehnsucht einen Ausdruck findet, hat die renommierte Hamburger Drehbuchautorin Ruth Toma geschrieben, die auch für die Fatih-Akin-Filme „Solino“ und „Kebab Connection“ sowie „Gloomy Sunday – Ein Lied von Liebe und Tod“ von Rolf Schübel und „Emmas Glück“ von Sven Taddicken verantwortlich zeigt.
„Es war nicht einfach, den Film durchzusetzen“, erzählt Ruth Toma dem Wochenblatt. Sieben Jahre haben Entwicklung und Finanzierung gedauert. Eine kleine Produktionsfirma mit kleinem Budget hat den Film in wenigen Wochen in Halle gedreht. Ruth Toma wurde von dem Regisseur Jan Martin Scharf und der Produzentin Janna Velber beauftragt, das Drehbuch zu schreiben. „Viele Berichte und Hintergrundmaterial aus der Zeit bildeten die Grundlage für das Buch, aber die Geschichte ist fiktiv“, erzählt Ruth Toma. „Der Film erzählt aus der Mitte der Gesellschaft. Jugendkultur, die nicht politisch sein will, stößt an ihre Grenzen. An einem kleinen leichten Thema erzählt der Film, wie diese Dinge vor sich gehen“, beschreibt die Autorin die Geschichte. Natürlich wird sie sich „Dessau Dancers“ im Magazin angucken, allein schon, weil ihr 20-jähriger Sohn ihn noch gar nicht gesehen hat. (ch)
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