Brisantes Dreiecksspiel

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Das „Match“ wird handgreiflich: Mike (Josef Heynert) besorgt sich eine Speichelprobe vom möglichen Vater Tobi (Roland Renner). Lisa (Isabell Fischer) schaut erschrocken zu. Foto: Esther Haase

„Match“ an den Kammerspielen

Rotherbaum. Deutschsprachige Erstaufführung an den Hamburger Kammerspielen. Harald Clemen inszenierte das 2004 uraufgeführte Dreipersonenstück „Match“ von Stephen Belber mit Roland Renner, Josef Heynert und Isabell Fischer.
Ein junges Ehepaar besucht den 60-jährigen früheren Balletttänzer und Choreografen Tobi. Lisa, die junge Frau, gibt vor, ihn für eine Doktorarbeit über den Balletttanz in den USA interviewen zu wollen.
Doch schon bald mischt sich ihr latent aggressiver Mann Mike in das Gespräch ein und es stellt sich heraus, dass das Paar ein ganz anderes Anliegen hat. Mike möchte herausfinden, ob Tobi sein Vater ist. Daraus entwickelt sich ein brisantes Dreiecksspiel über die Sehnsucht nach einem Vater, die Einsamkeit eines alternden Künstlers und die freizügigen 1968er Jahre. Damals schlief Tobi mit unzähligen Männern und Frauen, unter anderen auch mit Mikes Mutter. Weil Mike, eindringlich in verklemmter Bedrohlichkeit Josef Heynert, seinen Vater dafür verantwortlich macht, dass seine Mutter ihre Karriere als Tänzerin nicht fortsetzen konnte, droht die Situation zwischen Mike und Tobi immer wieder nicht nur verbal, sondern auch handgreiflich zu eskalieren. Lisa, die ihre durch Mikes Vatersuche belastete Ehe zu retten sucht, bemüht sich ebenso auszugleichen und zu beschwichtigen, wie der vereinsamte Tobi, der seine Libido mühsam im Stricken zu befriedigen versucht.
Roland Renner, souverän als Wortwitz versprühender, unglücklicher Ex-Bohemien in schäbigem Hochhausappartement, Isabell Fischer in der Rolle der Lisa, die trotz Eherettungsversuchen den Avancen des Liebes-Profis Tobi nicht abgneigt ist, und Josef Heynert als auf den unbekannten Vater fixierter Mike bilden ein starkes Trio in einem Stück, das die ganze Bandbreite und Abgründigkeit der Charaktere nicht voll auslotet und mit einem erstaunlich einfachen und nicht ganz nachvollziehbaren Happy-End aufwartet. Bis 11. November in den Hamburger Kammerspielen, Hartungstraße 9-11. (ch)
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