„Es ist traurig und brutal“

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Anna Lehnkerings (l.) furchtbares Schicksal als Euthanasieopfer thematisiert das Buch „Annas Spuren“ von Sigrid Falkenstein, aus dem Mechtild Großmann am 28. April liest Foto: privat/wb

„Annas Spuren“: Schauspielerin Mechthild Großmann liest aus Buch über Euthanasieopfer

Alsterdorf Ab dem 27. April ist die Wanderausstellung „Neue Anfänge nach 1945? Wie die Landeskirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen“ zu Gast im Volkmar-Herntrich-Saal am Alsterdorfer Markt 16 . Diese Ausstellung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland geht der Frage nach, wie der Neuanfang nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Bereich der Kirche verstanden und in die Wege geleitet wurde. Dabei wird die Zeit bis 1985 betrachtet. Zur Eröffnung heute um 17 Uhr sprechen die Historiker Dr. Stephan Linck zur Frage „Neue Anfänge nach 1945 in der Evangelischen Kirche?“ mit dem Untertitel: „Zum Umgang mit der NS-Geschichte und ihrer Bedeutung für heute“ und Dr. Harald Jenner über „Die zweite Schuld. Zum Umgang mit der Geschichte in Alsterdorf“.
Im Rahmen dieser Ausstellung, die bis zum 10. Mai zu sehen ist (10-16.30 Uhr), finden zwei weitere Vorträge und eine Lesung statt. Am Donnerstag, 28. April, liest Schauspielerin Mechthild Großmann – bekannt als „Staatsanwältin Wilhelmine Klemm“ im Münsteraner Tatort – aus dem Buch „Annas Spuren“ von Sigrid Falkenstein, das mehrere Preise gewann. Unter anderem wurde die Autorin mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Sie beschreibt in „Annas Spuren“ das furchtbare Schicksal ihrer Tante Anna, die dem Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten zum Opfer fiel. Diagnose: „angeborener Schwachsinn“. Sigrid Falkenstein hat dieses Schicksal mühevoll recherchiert und herausgefunden, dass Tante Anna in einer „Intelligenzprüfung“ nicht schlecht abschnitt. Dennoch wurde sie 1936 in eine Heil- und Pflegeanstalt eingeliefert und im März 1940 mit etwa 450 weiteren Patienten vergast. „Dieses Buch hat mich sehr betroffen gemacht. Das ist so brutal!“, sagt Mechthild Großmann, die seit 20 Jahren in Hamburg lebt. „Es ist sehr traurig, aber es ist auch eine Freude, dass Annas Schicksal bekannt gemacht wurde. Sie ist mit diesem Buch wieder zum Leben erweckt“, findet die Schauspielerin. Mechthild Großmann hat über 30 Jahre unter anderem im Tanztheater von Pina Bausch als Schauspielerin gearbeitet, aber auch auf vielen westdeutschen Sprechtheaterbühnen. Sie lebt auf der Uhlenhorst. (ch)

Weitere Vorträge: Mo., 2. Mai, „Neue Anfänge nach 1945 (...)“, Dr. Uwe Kaminsky, Historiker und Di., 3. Mai, „Volkmar Herntrich – Kirchlicher Multifunktionär(...)“, Gerda Engelbracht, Kulturwissenschaftlerin
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