Fulminantes Stück

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„Seite Eins“ mit Ingolf Lück in den Kammerspielen

Eppendorf „Dem Gutmenschen-Terror ein Ende bereiten und die Wahrheit von Menschen erzählen, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen“ – das ist die Mission von Boulevardjournalist Marco (Ingolf Lück). Diese vermeintliche Wahrheit muss man in seiner Welt aber oft selbst kreieren, um es auf die Titelseite zu schaffen.
Das zeigt Ex-Wochenshow-Moderator Ingolf Lück 100 fulminante Minuten lang in dem Ein-Personen-Stück „Seite Eins“ von Johannes Kram. Nachwuchs-Sängerin Lea Seeberg ruft Marco an, um Medieninteresse für ihr Debüt-Album zu wecken. Der Reporter zeigt außergewöhnliches Interesse für das Sternchen,
dessen Potenzial laut Musik-Insidern und Social Communities nicht hoch ist. Doch
Leas musikalisches Können interessiert Marco herzlich wenig. Er hat Blut geleckt, weil die junge Frau angeblich mit dem Erben einen Industrie-Dynastie liiert ist, dieses aber um keinen Preis populär machen möchte. Welche Register bis zur Erpressung der Medienprofi zieht, um an seine Titel-Story zu kommen, ist dank Lücks Spiel streckenweise hoch spannend.
Wirklich überraschend dürfte es für die wenigsten sein. Wirkliche Brisanz könnte die Geschichte von Inszenierung und Selbstinszenierung, Wahrheit und Wirklichkeit und der Macht der Massenmedien und den Risiken für diejenigen, die sich mit ihnen einlassen erhalten, wenn Autor Kram sich für ein weniger seichtes Exempel entschieden hätte. Dennoch: Zum Weiterdenken regen viele Sätze aus Marcos ungebremsten Redefluss an. Sein Smartphone meldet sich dazu nahezu ununterbrochen mit „Don’t stop me now“ von Queen-Sänger Freddy Mercury, einem Meister der (Selbst)-Inszenierung.
Nach fünf Sekunden lässt die Aufmerksamkeit nach und man müsse neue Reize liefern, doziert Marco zu Beginn. Regisseur Christian Schäfer lässt Ingolf Lück dazu auf einer leeren Bühne agieren, sein Smartphone ist das einzige Requisit. (flü)

„Seite Eins“ ist bis zum 12. Mai in den Hamburger Kammerspielen zu sehen. Termine und Tickets unter www.hamburger-kammerspiele.de
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