Gegen das Vergessen

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Hannelore Hoger, Stifter Peter Hess (r.) und Professor Peter Petersen (l.) weihten die Gedenktafel für die Giordanos/ Bertinis ein Foto: Hanke

Tafel erinnert jetzt an das Schicksal der halbjüdischen Familie Giodarno

Alsterdorf Gedenktafel an einem Kellereingang: In einem Backsteinwohnblock in der Alsterdorfer Straße prangt seit kurzem zwischen Haustür Nr. 470 und der Treppe zum Keller eine Tafel, die an die Giordanos/ Bertinis erinnert.

„Wir haben es gern getan.“Karl-Uwe Wagner, Eigentümer des Hauses

In diesem Keller überlebte die Familie Giordano die letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges, in der ständigen Furcht vor der Gestapo. Mutter Lilly hatte wegen ihrer halbjüdischen Herkunft einen Deportationsbefehl bekommen, dem sich die ganze Familie durch den Umzug in den nassen, kalten, dreckigen, von Ratten bevölkerten Keller des durch Bomben zerstörten Hauses Alsterdorfer Straße 470 entzog. Eine mutige Freundin, die über dem Keller wohnte, hatte das Versteck ermöglicht. Schriftsteller Ralph Giordano, einer der drei Söhne von Lilly Giordano, damals 21 Jahre alt, hat die Geschichte seiner Familie später in dem Roman „Die Bertinis“ beschrieben, der 1988 als Fünfteiler fürs Fernsehen verfilmt wurde.

Hoger liest aus Roman


Schauspielerin Hannelore Hoger, die in dieser Filmserie die Mutter Lea Bertini verkörperte, enthüllte die Gedenktafel gemeinsam mit dem Stifter Peter Hess. Professor Peter Petersen, emeritierter Musikwissenschaftler, der den Text der Gedenktafel verfasst hatte, informierte über die Giordanos und die Bertinis. Anschließend las Hannelore Hoger aus dem Roman „Die Bertinis“ die Passage über das Ende des Kellerhorrors der Familie am 4. Mai 1945, als die Engländer Hamburg befreiten. An der Zeremonie nahmen auch Vertreter des Alster-
dorfer Bürgervereins und die Hauseigentümer teil. Letztere waren gleich begeistert von der Idee der Gedenktafel. „Wir haben es gern getan“, betonte Karl-Uwe Wagner, einer der Eigentümer, dessen Familie das Haus schon zu Kriegszeiten besaß.

Giordano starb 2014


Noch einer hätte gern teilgenommen: Ralph Giordano. Der Schriftsteller war in die Vorbereitung dieser Gedenktafel eingeweiht. „Er hat den Text noch abgesegnet“, berichtete Peter Hess, der zum siebten Mal eine Gedenktafel stiftete. Leider starb Giordano am 10. Dezember 2014. (ch)
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