Gespaltenes Duo

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Zum 50. Todestag von Stan Laurel erobert das Komiker-Duo Oliver Hardy (Ulrich Bähnk, li.) und Stan Laurel (Roland Renner) die Kammerspiele Foto: Bo Lahola

„Dick und Doof“ in den Kammerspielen überzeugt teilweise

Eppendorf Verspeiste Bowler-Hüte, Augen, die quietschen, wenn man mit dem Finger hinein piekst und ungeahnte schmerzhafte Erfahrungen, die man mit einer Klappleiter machen kann – Regisseur Michael Bogdanov hat mit „Laurel und Hardy“ das wohl berühmteste Komiker-Duo der Welt für die Hamburger Kammerspiele aus der Klamottenkiste auf die Bühne befördert.
Die Zuschauer schicken der Regie-Altmeister und seine genialen Hauptdarsteller Roland Renner (Stan Laurel) und Ulrich Bähnk (Oliver Hardy) auf eine Zeitreise in ihre Kindheit, als sie die „Väter der Klamotte“ im Fernsehen schauten und sich über die Slapstick-Einlagen des überheblich-besserwisserischen, dicken Hardy und des nah am Wasser gebauten, schlaksigen Laurel schlapp lachten. Ulrich Bähnk scheint mit seiner perfekt bei Hardy studierten Mimik und Gestik direkt der Flimmerkiste entstiegen zu sein. Er nestelt so Oliver-Hardyhaft verlegen an seiner Krawatte herum und setzt kontrastierend dazu dessen majestätisch-überlegenen Gesichtsausdruck so gekonnt auf, dass man kaum genug davon bekommen kann. Roland Renner gibt seinem Laurel unter dem zu Berge stehenden, raschelnden Haarschopf eine eigene, leicht melancholische Note. Denn der schottische Dramatiker Tom McGrath (1940 – 2009) schaut in seinem 1976 entstandenen Bühnenstück auch hinter die Fassade des in Deutschland auch als „Dick und Doof“ berühmt gewordenen Duos. Und findet dort abseits des Ruhms, der bei Laurel und Hardy mehr als 30 Jahre währte, wie bei vielen großen Komödianten auch zahlreiche Schatten. So werden Stan Laurel Depressionen und Hardys Außenseitertum sowie die verhängnisvolle Leidenschaft für Pferdewetten angedeutet. In den Verhandlungen mit dem legendären Filmproduzenten Hal Roach, in dessen Rolle Bähnk und Renner abwechselnd schlüpfen, wird klar, dass die Komiker, die vor der Kamera nicht ohne einander funktionieren, sich in den finanziellen Fragen dahinter nicht immer einig waren. Leben und legendäre Szenen aus den insgesamt 106 gemeinsamen Film- und Fernsehauftritten werden, begleitet von Siegfried Gerlich am Klavier, der auch für die charakteristischen Geräusche wie raschelnde Haarschöpfe und quietschende Augen zuständig ist, zu einer bunten Collage zusammengefügt. Der im zweiten Akt leider die Puste ausgeht. Auch ergeben hier zwei großartige Schauspieler nicht ein restlos überzeugendes Ganzes. Roland Renner, aus Auftritten wie dem zwölfstündigen „Schlachten!“-Marathon aus Shakespeares Königsdramen am Schauspielhaus unvergessen, und Ulrich Bähnk, der in zahlreichen Inszenierungen der Kammerspiele überzeugte, spielen jeder für sich beeindruckend, gehen im Team aber nicht richtig auf und kommen letztlich nicht an die Symbiose von Laurel und Hardy heran. (flü)

Termine und Tickets unter www.hamburger-kammerspiele.de
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