Grindelhof-Lesung: Vom Gauner und der kessen Lola

Anzeige
Autor Christoph Gutknecht hat einige überraschende Erklärungen parat Foto: Gehm

Viele Redewendungen stammen aus dem Jiddischen. Christoph Gutknecht präsentiert am 1. September sein Buch

Von Dagmar Gehm
Eppendorf
Wir verachten den schnöden Mammon, reden gern Tacheles, hätten am liebsten alles für lau, fürchten den Pleitegeier, kaufen aber selten Tinnef. Ganz selbstverständlich benutzen wir die Redewendungen, doch kaum jemand weiß, dass sie aus dem Jiddischen stammen. Mit linguistischem Spürsinn hat sich Sprachwissenschaftler Christoph Gutknecht aufgemacht, um die ursprüngliche Bedeutung deutscher Begriffe und Redensarten zu entschlüsseln. Entstanden ist daraus das neue Buch des emeritierten Professors, „Gauner, Großkotz, kesse Lola: Deutsch-jiddische Wortgeschichten“, vom Wiener Verein „Freunde jüdischer Literatur“ im Mai zum „Buch des Monats“ erklärt. Am Donnerstag, 1. September, wird Christoph Gutknecht im Jüdischen Salon, Café Leonar, eine humorvolle Lesung darüber halten.

New York ist Hochburg


Das Grindelviertel ist ihm vertraut, da er – mit zwei Unterbrechungen in den USA – von 1966 bis 2001 am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Uni Hamburg gelehrt hat. „Meine Arbeitsstätte war der Philosophenturm“, sagt der Sprachforscher. „Mehr als vier Millionen Menschen weltweit sprechen noch jiddisch“, so Gutknecht. „Besonders viele sind es in New York. Nur lesen kann es kaum einer noch“, bedauert der Autor. Auch ins Englische seien viele Ausdrücke wie chuzpe (Dreistigkeit), dreck (Müll) oder swindler (Lügner) übernommen worden. Ein starkes Revival der großelterlichen Kultur gibt es im Augenblick in Israel, sagt Gutknecht: „Es gibt dort ein unglaubliches Interesse an jiddischer Sprache und Literatur.“ Dass die jiddische Sprachkultur auch bei uns nicht verloren geht, dazu versucht der Professor seinen Teil beizutragen. Mehr als 60 Wortgeschichten bringen dem Leser den Ursprung von Pleitegeier, Schlamassel und Pustekuchen näher. Ausdrücke, die wir fast täglich benutzen. So manche Bedeutung hat sich verlagert, wie der Knast, der aus dem Hebräischen stammt: Knass wird das Bußgeld genannt, das nach einer aufgelösten Verlobung gezahlt werden muss. Daraus wurde die Gefängnisstrafe, zu der man bei Nichtzahlung verknackt wurde.

Weitere Infos: Café Leonar; Jüdischer Salon am Grindel
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige