Hamburg: Stress im Jugendamt

Anzeige
Die Nerven liegen blank: Anika (Verena Mörtel) versucht Silvia (Katharina Abt) am Trinken zu hindern Foto: Oliver Fantitsch/wb

„Kaspar Häuser Meer“ im Winterhuder Fährhaus

Hamburg. Hübsch nebeneinander aufgereiht stehen die Aktenordner auf dem Schreibtisch von Björn. Er kann die 104 Fälle, die sie beinhalten, derzeit nicht bearbeiten, denn Björn liegt im Krankenhaus. Seine drei Kolleginnen im Sozialamt müssen nun noch mehr leisten, obwohl sie bereits ihre Belastungsgrenzen erreicht haben: die abgeklärte Barbara, die älteste, die sich mit der Hoffnung auf Fernreisen tröstet, Silvia, die den Job nur noch mit Alkohol aushält, und die junge übereifrige Anika.
Sie sind die Protagonistinnen in Felicia Zellers Stück „Kaspar Häuser Meer“, das jetzt im Theater Kontraste im kleinen Saal der Komödie Winterhuder Fährhaus zu sehen ist. Ein Stück, das nicht die Opfer und nicht die Täter von Kindesmisshandlungen und -verwahrlosungen zu Wort kommen lässt, sondern drei Helferinnen, die diese Taten durch intensive Begleitung und Beobachtung verhindern sollen, drei von denen, die nach dem Tod vernachlässigter Kinder erschüttert, verzweifelt oder regungslos in Untersuchungsausschüssen zu Protokoll geben, dass sie das alles nicht haben kommen sehen.
Barbara, Silvia und Anika sind entschlossen, alles zu geben, um Björns „Kaspar Hauser Fälle“, hinter denen sich ungelöste Familien- und Kinderschicksale verbergen, zu bearbeiten, ein unendliches „Kaspar Häuser Meer“ der sozialen Not.
Im gelungenen Bühnenbild von Lars Peter mit vier einfachen Tischen vor einer ganzen Wand von Pappkartons, hinter der nach und nach ein Meer von Stofftieren sichtbar wird, lässt Regisseur Harald Weiler die drei Sozialarbeiterinnen verzweifeln, aber immer wieder neu beginnen, zeigt sie nicht als gefühllose, weltfremde Beamtinnen, sondern als engagierte, mit Idealismus gesegnete Frauen, die selbst vor einer Sisyphos-Arbeit nicht kapitulieren wollen. Katharina Abt, Barbara Krabbe und Verena Mörtel setzen das typengerecht hervorragend um.
„Kaspar Häuser Meer wird wieder im November (bis 22.11.) und im Februar/März 2015 in der Komödie Winterhuder Fährhaus (kleiner Saal), Hudtwalckerstraße 13, gespielt. (ch)


Interview:
Nach drei Jahren Ausquartierung wegen des Umbaus ist das Café Leonar an seinen alten Standort am Grindelhof 59 - im neu errichteten Haus - zurückgekehrt. Nun hat auch der Jüdische Salon am Grindel e.V., 2007 gegründet, dort wieder Einzug gehalten. Ein Interview mit Musikagentin und Initiatorin Sonia Simmenauer.
Wochenblatt: Kunst und Café – eine geniale Verbindung. Wie stark verzahnen beide ineinander?
S. Simmenauer: Es sind zwei getrennte Institutionen. Arash Karimi löst meinen Sohn Arnold als Geschäftsführer des Café Leonar ab. Der Salon wird als Verein von einem rund 15-köpfigen Team geführt, um jüdische Kultur und Traditionen zu fördern und darzustellen. Sowohl bei den Veranstaltungen als auch bei der Auswahl der Bücherspenden, die wir im Café ausleihen, richten wir das Augenmerk eindeutig auf das Heute und das Morgen.
WB: Welche Art von Veranstaltungen findet im Jüdischen Salon statt?
S: Es werden etwa zweimal pro Monat Veranstaltungen abgehalten. Geladen sind bekannte Autoren, Wissenschaftler, Musiker und Künstler.
WB: Wie koscher ist das Café Leonar?
S: Wir bieten zwar weder Schweinefleisch noch Meeresfrüchte an, sind aber nicht streng koscher. Wir haben das Jüdische nie als streng Religiöses verstanden, sondern als Kultur, als Geist, als eine Offenheit für alle.
WB: Was hat sich in den neuen, alten Räumen geändert?
S: Der Raum für den Jüdischen Salon besitzt jetzt große Glasfronten zum Garten und keine Säulen mehr, so dass jeder ungehinderte Sicht auf die Bühne hat. Das Haus ist übrigens so toll gebaut, das wir keinen Empfang für Handys haben.
WB: Womit läuten Sie den Veranstaltungskalender ein?
S: Zu Gast wird am 30. Oktober Tal Alon, Gründerin und Chefredakteurin des „Spitz Magazin“ sein. Sie beschäftigt sich mit der wachsenden Zahl von Israelis, die es nach Berlin zieht. (geh)

Weitere Infos unter salonamgrindel.de
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige