Hamburg: „Ziemlich beste Freunde“ beengt auf der Bühne

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Der quirlige Kleinkriminelle Driss (Patrick Abozen) pflegt den querschnittsgelähmten Geschäftsmann Philippe (Hardy Krüger jr. )und freundet sich mit ihm an Foto: Bo Lahola/wb

Kammerspiele: Adaption des Filmerfolgs kann sich nicht entfalten. Vorstellungen in behindertengerechtem Theater geplant

Hamburg. „Ziemlich beste Freunde“ war einer der größten Filmerfolge des Jahres 2012 in Deutschland und vorher bereits in Frankreich. Die Kammerspiele haben die Theaterfassung von Gunnar Dressler mit Hardy Krüger jr., Patrick Abozen und Andrea Lüdke in den Hauptrollen auf die Bühne gebracht.
In dem von Kritik und Publikum gefeierten Film stellt der nach einem Unfall mit einem Gleitschirm querschnittsgelähmte Geschäftsführer Philippe aus äußerst wohlhabender Familie statt ausgebildeter Krankenpfleger den arbeitslosen Kleinkriminellen Driss aus Senegal als Pflegekraft ein, weil der ganz natürlich auf ihn reagiert, sich zum Beispiel über den Schwerkranken amüsiert. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. In der Inszenierung von Jean-Claude Berutti an den Kammerspielen ist die Entwicklung dieser Freundschaft nicht wirklich nachvollziehbar. Sie ist plötzlich da, wird in kurzen, dem Film nachempfundenen Szenen gezeigt, die vor allem durch ihre Komik überzeugen. Die Faszination des Films durch die Freundschaft der beiden ungleichen Männer stellt sich nur phasenweise ein. Dabei überzeugen die Hauptdarsteller.

Schauspieler überzeugen

Hardy Krüger jr. spielt souverän den Schwerkranken, der in der Begegnung mit dem Hallodri Driss auflebt, - und bedient ebenso souverän seinen E-Rollstuhl. Patrick Abozen verkörpert den lebenslustigen Frauenaufreißer Driss aus der Vorstadt mit viel Verve und Elan, schiesst dabei allerdings mitunter übers Ziel hinaus. Eine starke Partie zwischen Contenance und Aus-der-Rolle-fallen liefert Andrea Lüdke als die lesbische Betreuerin von Philippe Magalie, die elegant mit dem fordernden Driss ihre Scherze treibt. Doch die Inszenierung krankt wie andere Filmadaptionen auf der Bühne an der Beschränkung auf das Nachspielen zentraler Szenen des Films. So kann sich die faszinierende Freundschaftsgeschichte nicht wie einmal erdacht entwickeln und entfalten. „Ziemlich beste Freunde“ ist noch bis zum 25. Mai in den Hamburger Kammerspielen, Hartungstraße 9-11 zu sehen.
Nur wenige Behinderte werden diese Vorstellungen in den nicht barriefreien Kammerspielen sehen können, die im E-Rollstuhl überhaupt nicht. Dagegen demonstrierten Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer am Abend der Premiere vor den Kammerspielen. Sie forderten einen anderen Spielort für dieses Stück um einen Behinderten. Diese Forderung käme einem Spielverbot in den Kammerspielen gleich, konterte das Theater, dem der erfolgreiche Filmhit offenbar wichtiger war als behindertes Publikum.
Möglichkeiten, das Stück zu sehen, hat die Stäitsch Theaterbetriebs GmbH, der Betreiber der Kammerspiele, allerdings angeboten - im nächsten Jahr in Theatern der Stäitsch in Harburg und in Bergedorf. (ch)
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