Hamburger hält Erinnerungen für Enkel fest

Anzeige
Für Klaus-Peter Runte ist Schreiben wie Therapie Foto: ch

Klaus-Peter Runte erzählt in seinem Buch Ausschnitte aus seinem Leben

Von Christian Hanke
Hamburg
Eine Zeitreise von 1940 bis 2010 beschreibt der „Hamburger Jung“ Klaus-Peter Runte (75) in seinem 62-Seiten starken Büchlein „Der Seeadler von Möltenort“. Anschaulich berichtet der Frauenarzt von Evakuierung aus dem bombengeschädigten Hamburg, dem Aufwachsen an der Hochallee in Harvestehude, Schule in der damaligen Jahnschule (heute Ida-Ehre-Schule) und dem Gymnasium Eppendorf, Studium in Münster, seinen Versuchen als Maler und ersten Praxisjahren in der Pathologie, der Frauenklinik Finkenau und dem Hafenkrankenhaus. Nicht zu vergessen die Sportbegeisterungen für die Oberligaspiele des HSV im alten Stadion am Rothenbaum, für das benachbarte Tennisturnier und das Deutsche Springderby in Klein Flottbek. Runte kannte alle Hindernisse auswendig. Schilderungen, in denen sich viele seiner Leserinnen und Leser wiederfinden, wie der Autor aufgrund von viel Feedback feststellen konnte. „Sie haben alle an ihre Kindheit gedacht“, erzählt Runte.

Keine Autobiographie

Der Arzt wollte zunächst nur seinen Enkeln etwas aufschreiben von den Zeiten, die er miterlebt hat. „Im Alter lebt man mehr in der Vergangenheit, als dass man Zukunftspläne schmiedet.“ 2012 veröffentlichte er seine Erinnerungen, die er nicht als Autobiografie verstanden wissen will. „So wichtig bin ich nicht. Es ist ja auch nur ein kleiner Ausschnitt aus meinem Leben. Ich habe ganz bewusst vieles weggelassen. Es geht mir nicht um mich, sondern um uns“, erläutert Runte. So wird etwas von der Welt in Hamburg, vor allem aus den 1950er- bis 1980er-Jahren wieder lebendig. Der Frauenarzt, der 30 Jahre lang eine Praxis in einer Kleinstadt in Schleswig-Holstein betrieb, erzählt aber auch aus ganz persönlichen Gründen aus seinem Leben. „Das Schreiben hilft mir. Es ist eine Art Therapie“, berichtet Runte. Als Arzt hat er viele schlimme Krankheitsverläufe und Schicksale kennen gelernt und war sich oft nicht sicher, ob er für Patienten nicht mehr hätte tun können. Einige Fälle schildert er kurz in seinem Buch. Insbesondere die Diskussion um den Schwangerschaftsabbruch und um den Paragraph 218, hat ihn sehr beschäftigt. Über den reformierten § 218 hat er ebenfalls ein Buch geschrieben.

Erinnerung an den Vater

Was aber hat es mit dem Titel „Der Seeadler von Möltenort“ auf sich, der im Text des Buches gar nicht erwähnt wird? Es ist eine Erinnerung an Runtes im Zweiten Weltkrieg gefallenen Vater, der starb, als der Autor ein Jahr alt war. Runtes Vater war Arzt auf einem U-Boot. Sein Name ist unter rund 3000 U-Boot-Opfern des Krieges an einem Denkmal in Kiel-Möltenort aufgeschrieben. Vor dem Denkmal steht ein Seeadler. „Das ist eine sehr eindrucksvolle Atmosphäre“, erzählt Runte. „Ich habe meinen Vater mein ganzes Leben lang vermisst. Diese jungen Menschen wie mein Vater, die da in den U-Booten umgekommen sind, haben nie eine Chance bekommen, zu leben. Daran wollte ich erinnern“, erläutert der Autor.

„Der Seeadler von Möltenort“ ist für 9,80 Euro im Buchhandel erhältlich
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige