Hamburgs Stadtteilkultur leidet unter Geldnot

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Können nicht sorgenfrei arbeiten: die Leiter von Goldbekhaus, Bernd Haß (l.), vom Stadtteilarchiv Eppendorf Maria Koser und vom Kulturhaus Eppendorf Klaus Kolb Foto: Hanke

Kulturmacher warnen: Zu wenig Mittel von der Stadt! Deutsche Kulturrat setzt Hansestadt auf die Rote Liste der bedrohten Kultureinrichtungen

Von Christian Hanke
Eppendorf
Stadtteilkultur zwischen Hoffen und Bangen, Freude und Resignation. Wer in den Stadtteilkultureinrichtungen und Geschichtswerkstätten arbeitet, braucht ein starkes Nervenkostüm, denn zwischen den obigen Gegensätzen bewegt sich deren Leben ständig. Der Deutsche Kulturrat setzte die Hamburger Stadtteilkultur kürzlich auf die Rote Liste der bedrohten Kultureinrichtungen. Gerade hat die Kulturbehörde mehr Geld für die 28 geförderten Stadtteilkulturzentren in Hamburg und die 20 geförderten Geschichtswerkstätten bei den Haushaltsberatungen 2017/18 erstritten, doch viel weniger als gefordert. Statt einer Million Euro wurden nur jeweils 400.000 Euro für die nächsten beiden Jahre bewilligt. Zu wenig, um sie sorgenfrei zu führen, geschweige denn sie womöglich auszubauen oder zu erneuern. Was die Betroffenen besonders ärgert: Die Verringerung der Förderung seit 2010, die durch die seitdem gleichgebliebene Fördersumme bei steigenden Kosten zustande gekommen ist, wird nicht ausgeglichen. „Man muss erst etwas nachholen“, mahnt Klaus Kolb, Geschäftsführer des Kulturhauses Eppendorf, an.

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In Zahlen: 1,8 Millionen Euro. Erst eine Förderung, die über diese Summe hinausgeht, wäre eine wirkliche Förderung. Bedingte Freude auch über eine ganz neue Art der Förderung. Ab 2019 werden die Rahmenzuweisungen Stadtteilkultur jährlich um 1,5 Prozent angehoben. „Das ist ein großer Schritt“, lobt Bernd Haß, der Geschäftsführer des Goldbekhauses. Aber auch zu wenig. „Diese Anhebung gleicht nicht einmal die Kosten aus“, dämpft Klaus Kolb die Freude. Um 2 bis 2,5 Prozent müsste die Förderung jährlich steigen, haben die Leiter der Stadtteilkultureinrichtungen ausgerechnet. Der Dachverband für lokale Kultur und kulturelle Bildung in Hamburg fordert eine Erhöhung der Rahmenzuweisung um „mindestens 3,9 Millionen Euro“.

Ohne Ehrenamtler geht nichts


Derzeit erhalten alle geförderten Einrichtungen in Hamburg zusammen 5,82 Millionen Euro. Im Bezirk Hamburg-Nord landen davon 1,251 Millionen. Für 2017 und 2018 kommen 61.000 (2017) beziehungsweise 62.000 Euro (2018) hinzu. Der Bezirksversammlung Hamburg-Nord obliegt es nun, diesen Betrag auf die elf Einrichtungen in diesem Bezirk zu verteilen. Viel werden sie nicht dazubekommen.
Das Kulturhaus Eppendorf muss mit 137.000 Euro aus der Rahmenzuweisung auskommen. Die vier Teilzeitkräfte kosten rund 150.000 Euro. Einnahmen bezieht das Kulturhaus neben Vermietungen, Mitgliedsbeiträgen und Spenden aus Kultur-Veranstaltungen und sechs Flohmärkten im Jahr. Das Stadtteilarchiv Eppendorf bekommt lediglich 60.000 Euro jährlich aus der Rahmenzuweisung. Einnahmen fließen nur aus den Rundgängen durch den Stadtteil. Zwei Leiterinnen mit einer 20-Stunden- und einer 10-Stunden-Stelle teilen sich den Job. Ohne Ehrenamtliche könnten Kulturläden und Stadtteilarchive gar nicht existieren. „Wir sind Idealisten“, bekennt Klaus Kolb, „aber wir wollen eine auskömmliche Finanzierung. Es muss sich etwas in der Bügerschaft bewegen.“ „Die Stadtteilkultur fordert zu Recht deutlich mehr Geld. Wir bereiten Anträge dafür vor“, erklärt Dietrich Wersich (CDU) für seine Partei. Die FDP fordert eine externe Evaluation der Stadtteilkultureinrichtungen, „um die tatsächlichen Bedarfe der vielfältigen Stadtteilkultur-Szene seriös festzustellen.“ René Gögge (Grüne) und Isabella Vertés-Schütter (SPD) verweisen auf den jetzt verdoppelten Quartiersfond und den neuen Integrationsfond. Beide Töpfe würden der Stadtteilkultur zugute kommen. Das ergäbe, so Gögge, eine „gute Steigerung“. Noch laufen die Haushaltsberatungen. Mitte Dezember sind sie abgeschlossen.

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1 Kommentar
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Erich Heeder aus Billstedt | 16.10.2016 | 10:19  
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