„Höhepunkt ist das nächste Konzert“

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Blues-Nomade Abi Wallenstein feiert sein 50. Bühnenjubiläum mit einem neuen Album. Benefizkonzert am 30. Januar

Winterhude/Eppendorf Er mag kein Gedöns um seine Person, lieber glänzt er bei seinen Gigs. „Meinem Publikum möchte ich aber dafür danken, dass es immer wieder das Sofa verlässt und zu meinen Konzerten kommt.“ Rund 100 Auftritte bestreitet Abraham „Abi“ Wallenstein pro Jahr mühelos. Sein Alter steckt er weg – spielend und singend. Blues hält jung. Die Fans bleiben ihm treu, füllen die Säle, im Sommer auch Straßen und Plätze quer durch Europa, wann und wo immer er auftritt, solo oder mit diversen Bands. „Ich habe wohl Nomadenblut in mir und bin dauernd hungrig nach Auftritten“, sagt er und packt für das nächste Konzert. Die Interaktion mit dem Publikum – das sei „die faszinierende Essenz vom Blues“.

„Ich habe wohl Nomadenblut in mir und bin dauernd hungrig nach Auftritten.“
Abi Wallenstein


Kürzlich wurde sein 70. Geburtstag gefeiert auf einer Mega-Party Landhaus Walter. Unter den Gästen: 50 Weggefährten, auf und vor der Bühne des Downtown Bluesclubs. Mit dabei: Inga Rumpf, von Anfang an seine Mentorin. „Blues ist dein Ding, mach‘ das weiter!“ So hat sie ihn bestärkt, als er 1965 nach Hamburg kam, fasziniert von der quirligen Musikszene. Inga ist damals bei den „City Preachers“, der Haus-Band von Onkel Pö in Eppendorf, bei der Udo Lindenberg gerade als Schlagzeuger debütiert. Wie erklärt er sich seinen Erfolg erklärt? „Ich war einfach einer der ersten, der in Hamburg Blues gespielt hat.“ sagt der „Vater der Hamburger Blues-Szene, mehrfach ausgezeichnet, 2015 mit dem „Blues Louis Preis“.
Sein Soziologie-Studium bricht er bald ab, arbeitet über 15 Jahre als Setzer in einer Siebdruckerei in Groß Borstel – tagsüber. Um abends aufzutreten. Hat er kein Engagement, zieht er los als Straßenmusiker und erregt Aufsehen als One-man-Band. Als die Druckerei Anfang der 1980er Jahre schließt, kann er von seiner Musik leben: Ganz so, wie er es sich schon als Junge in Neuss vornahm, nachdem er mit seiner Mutter im Kino einen Rock‘n‘Roll-Film gesehen hatte. Als Autodidakt lernt er Gitarre spielen und entwickelt seinen ureigenen Picking-Stil.Geboren 1945 in Jerusalem, zieht Abraham mit den Eltern 1960 nach Deutschland. Sie waren 1933 vor den Nazis geflohen. Von den Belastungen der Eltern und vom Erbe der Nazizeit bekommt er wenig mit. „Aber jetzt werde ich immer wieder damit konfrontiert, dass ich Jude bin“, sagt Abi. Der Erlös aus der Geburtstagsparty, bei der alle Künstler auf ihre Gagen verzichteten, geht an einen Kindergarten in Haifa, den palästinensische und israelische Kinder gemeinsam besuchen, für Abi „eine Blume der Hoffnung.“
Höhepunkte in seinem Leben? „Gibt es viele. Der eigentliche Höhepunkt ist immer das nächste Konzert.“ Aber da ist auch seine Lebenspartnerin seit 40 Jahren, eine Theaterregisseurin. Vor drei Jahren haben sie geheiratet. Das nächste Highlight 2016: Zum 50-jährigen Bühnen-Jubiläum kommt ein neues Album, mit einem Querschnitt seines Schaffens und mit den Bands, die ihn begleitet haben.
Nicht zu reden von seinen Auftritten, einer der nächsten bei der Gospel-Blues-Night, einem Benefizkonzert zusammen mit anderen Stars für die Flüchtlingshilfe.(wh)

Sonnabend, 30. Januar, 19 Uhr, St. Nikolai am Klosterstern,Tickets: 12/13 Euro, Telefon: 45 58 02
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