„Ich liebe dich, Krieg“

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Standing Ovations: Roberst Stadlober wurde für seine Darstellung in „Private Peaceful“ vom Publikum gefeiert Foto: Isabel Koch

Robert Stadlober zieht das Publikum mit „Private Peaceful“ in seinen Bann

Eppendorf Von der „Sonnenallee“ in den Schützengraben: Robert Stadlober erhielt in den Kammerspielen auf der Premiere von „Private Peaceful“ Standing Ovations. Der 33-jährige Kino-Star hat bei dem Ein-Personen-Stück über einen Deserteur aus dem Ersten Weltkrieg neben Martin Dueller auch Co-Regie geführt. Am Anfang des Stückes steht das Ende: Das Kriegsgericht hat über Soldat Tommo Peaceful die Todesstrafe verhängt. Vor seiner Hinrichtung lässt er Bruchstücke seiner Kindheit und den Wahnsinn des Krieges Revue passieren. Der Monolog nach dem Jugendroman von Michael Morpurgo wird durchbrochen von Zitaten aus Frontbriefen des Ersten Weltkrieges und Beschreibungen heutiger Kriegsschauplätze. Durch die Überblendungen wird deutlich, dass auch mit vermeintlich klinischen Militärinterventionen mittels Drohnen und Joysticks der Krieg genauso schmutzig ist wie in den vergangenen Jahrhunderten. Begleitet wird Peacefuls Monolog auf der Bühne von Andreas Spechtl. Der Musiker von der österreichischen Indie-Rock-Band „Ja, Panik“ erschafft einen dichten Klangteppich für verschiedene Stimmungen. Stadlober spielt sich in dem kargen, zum Teil durch düstere Videoprojektionen ergänzte Bühnenbild die Seele aus dem Leib. Seine Performance fesselt, aber dennoch fällt es schwer, den Menschen Tommo Peaceful hinter dem Soldaten zu entdecken. Seine Motivation, sich freiwillig für den Krieg zu melden, schwankt zwischen dem gesellschaftlichen Druck und der Hoffnung auf Pluspunkte beim weiblichen Geschlecht. Anfangs bekennt er an der Front so begeistert von Waffen zu sein, dass er auch in seiner Freizeit damit spielt. Aber die Sinnlosigkeit seines Tuns, der Tod seiner Kameraden und seines Bruders Charly und die Erkenntnis der völligen Irrelevanz , lässt ihn einfach liegen bleiben. Er verweigert den Befehl seines Seargents und wird dafür zum Tode verurteilt. Ein Held? Die Definition wird dem Zuschauer überlassen. „Ich liebe dich, Krieg. Liebe dich dafür, dass das dreckigste Leben immer noch tausendmal besser ist als der Tod“, zitiert Peaceful die Worte des 38-jährigen Journalisten Arkadi Babtschenko, der seine Eindrücke in dem Buch „Die Farbe des Krieges“ festhielt. (flü)

„Private Peaceful“ ist bis zum 4. November in den Kammerspielen zu sehen, Spielplan und Karten unter Telefon 41 33 440 und www.hamburger-kammerspiele.de
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