Im Fegefeuer der Eitelkeiten

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Der alte und der junge Schriftsteller (Volker Lechtenbrink, l. und Andreas Christ) haben so ihre Probleme miteinanderFoto: Oliver Fantitsc

Jubiläumsstück in der Komödie: „Der Mentor“ von Daniel Kehlmann

Von Christian Hanke
Hamburg. Junger Autor trifft Schriftsteller-Legende. Der erfahrene Benjamin Rubin soll mit dem hoffnungsvollen Talent Martin Wegner, der als „Die Stimme einer Generation“ gehandelt wird, in einem Mentor-Projekt einer Kulturstiftung über Wegners neustes Stück diskutieren.
Das ist die Ausgangslage in Daniel Kehlmanns Stück „Der Mentor“, das anlässlich des 25-jährigen Jubiläums in der „komödie winterhuder fährhaus“ Premiere hatte.

Misstöne zwischen Alt und Jung

Schon bei der ersten Begegnung von Jung und Alt sind Misstöne unüberhörbar. Rubin pflegt seine Meinung deutlich zum Besten zu geben, findet bald heraus, dass das mit seinem Namen groß angekündigte Mentor-Projekt eigenlich keinen Jung-Schriftsteller interessierte. Wegner hat sich nur wegen des Honorars darauf eingelassen - wie auch Rubin. Als der alte Schriftsteller, der vor Jahren nur mit einem Stück erfolgreich war, dann auch noch Wegners neuestes Werk in der Luft zerfetzt, ist das Tischtuch zwischen den beiden zerschnitten. Das Ego des Jüngeren leidet bitter.

Eitelkeit und Egozentrik

Vor allem, als ihm seine Frau Gina auch noch die Wahrheit über seine Stücke sagt: nicht alle fand sie so gut, wie bisher bekundet. Wegner gerät in eine Ehe- und Schaffenskrise, wirft das Originalmanuskript seines neuen Stückes ins Wasser, während Rubin mit seiner Frau anbandelt. Am Ende aber erfährt Wegner doch noch eine erstaunliche Anerkennung. Folke Braband hat das scharfsinnige Stück über Eitelkeiten, Egozentrik, Erfolge und die Einsamkeit des Künstlers mit sehr guten Schauspielern unterhaltsam in Szene gesetzt. Volker Lechtenbrink glänzt als jovialer, selbstherrlicher Schriftsteller und Lebemann, der sich auf seinem einzigen Erfolg ausruht und die Menschen nach seiner Pfeife tanzen lässt. Andreas Christ zeigt überzeugend den aufstrebenden, ehrgeizigen, in gleich zwei Krisen geratenen Jung-Schriftsteller, der am Ende richtig abdreht. Rebecca von Mitzlaff betont als seine Frau Gina die starke Partnerin, die auch eigene Wege gehen kann, und Oliver Dupont begeistert als um Harmonie betonter Vertreter der Stiftung, der von Rubin nicht ernst genommen wird, mit feiner Komik.
„Der Mentor“, eine des Jubiläums würdige Inszenierung, wird noch bis zum 10. November in der „komödie winterhuder fährhaus“, Hudtwalckerstraße 13, gespielt.
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