Kammerspiele zeigen „Wand an Wand“

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Franz (Walter Plathe) und Waltraud (Franziska Troegner) leben „Wand an Wand“ Foto: Kammerspiele

Die Komödie mit Hintersinn läuft bis Mitte August

Von Miriam Flüß
Rotherbaum
Franz, pensionierter Zoohandelfachangestellter, hat eine harmonischere Beziehung mit seinem Leguan Otto geführt als mit seiner geschiedenen Frau. Nach Ottos Ableben bleiben seine beiden Topfpflanzen als Ansprechpartnerinnen in seiner mit Büchern gefüllten Wohnung. Bis nebenan Waltraud einzieht. Die wollte eigentlich mit Jürgen alt werden – nur nicht so schnell. Und auch die Versetzung aus der Parfümerie-Abteilung des Kaufhauses hinter die Fleischtheke aufgrund ihrer Leibesfülle hat ihr zugesetzt. Zeit für einen Neuanfang. Der grantige Franz (Walter Plathe) ist erst einmal wenig begeistert über das Chaos und den Lärm, den Waltraud (Franziska Troegner) „Wand an Wand“ in sein Leben bringt. Eine Burka solle sie tragen, empfiehlt er ihr. Sein „Sprengstoffgürtel“ sei ja schwer zu übersehen, kontert sie mit Blick auf seinen Leibesumfang. Franz assistiert Waltraud dennoch beim Dreh eines Videos für eine Internet-Datingplattform und für die Zuschauer ist vorhersehbar, dass der hasserfüllte Start im Happy-End endet. Der mit knapp 90 Minuten sehr kurze Weg dorthin wird aufgrund der Spielfreude der beiden Hauptdarsteller, die viele Episoden lang in der Fernsehserie „Der Landarzt“ gemeinsam vor der Kamera standen, auch zu einem sehr kurzweiligen Vergnügen. Regisseur Peter Dehler hat das komödiantische Tempo im Griff und auch selbst einen sehr witzigen Video-Auftritt als Single in Waltrauds Dating-Portal. Unterbrochen und begleitet wird die sich anbahnende Beziehung der Best Ager von zahlreichen Gesangseinlagen.

Spiegel der alternden Gesellschaft


Eingedeutschte Versionen von Gloria Gaynors „I will survive“ und Frank Sinatras „Something stupid“, Klassiker von Udo Jürgens und Marlene Dietrichs „Allein in einer großen Stadt“ werden ebenso eigenwillig-mitreißend geschmettert – und begleitet von Pianist Thomas Möckel - wie ein Duett aus der „Zauberflöte“. Dabei sind dank des nie platten Spiels von Plathe und Troegner unterschwellig die Themen von Franz und Waltraud präsent, die in einer alternden Gesellschaft immer mehr Menschen betreffen wie Einsamkeit, Erotik im Alter, die Anonymität unter Nachbarn und der Mut, weit nach Überschreiten der Lebensmitte noch einmal ganz neu anzufangen.

Beim „Happy end wird abjeblendt“


Franz und Waltraud trauen sich, sich noch einmal zu verlieben. Darüber, wie es mit ihnen weitergeht, machen sie sich aber nicht allzu viele Illusionen. „Und darum wird beim Happy-End im Film jewöhnlich abjeblendt“, zitieren sie zum Schluss Kurt Tucholsky und entlassen die Zuschauer nach dem sommerlich-leichten Vergnügen dann doch etwas wehmütig in die Nacht.

„Wand an Wand“ ist bis zum 14. August in den Kammerspielen zu sehen, Karten unter Telefon 413 34 40, weitere Infos: www.hamburger-kammerspiele.de
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