„Kleinster Kulturbetrieb“ feiert Jubiläum

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Stephanie Bahrke feiert zehnjähriges Jubiläum im „kleinsten Kulturbetrieb“ Foto: Haas

Malerin Stephanie Bahrke lädt am 28. Juni Nachbarn in ihr Atelier ein

Winterhude Einladend hell wirkt der frühere Tante-Emma-Laden, ein getigerter Kater aus der Nachbarschaft räkelt sich auf dem blauen Sofa. Der Baum vor der Tür sorgt fürs passende diffuse Licht. Stephanie Bahrke, 47, weiß ihn zu würdigen. In ihrem „Atelier unter der Linde“ ist die Portrait-Malerin seit zehn Jahren tätig: Grund genug für ein Fest. Bunte Gesichter in Acryl auf Nessel sind ihr Markenzeichen. „Jeder Mensch hat seine eigene Farbigkeit“, versichert sie. „Für mich ist es auch eine Art von Schatzsuche: Was steckt hinter den Gesichtern, die ich male?“ Schon als Teenager porträtiert sie Mitschüler. Während ihrer Ausbildung zur Masseurin interessiert sie sich für die traditionelle chinesische Medizin. Doch auf einer Reise durch China und Tibet wird ihr Skizzenbuch immer wichtiger; die Autodidaktin beschließt, dass sie fortan Menschen nicht mehr behandeln, sondern malen möchte.

Künstler-Salon


Inzwischen freut sich die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern über die gute Nachfrage ihrer Auftragsarbeiten. Zudem mausert sich ihr Atelier zu einem gerne besuchten Treffpunkt: für die Nachbarn aus dem Viertel ebenso wie für Künstler aus allen Bereichen. Die kommen zum monatlichen „Jour fixe“. Dann rückt Stephanie Bahrke den Küchentisch in ihre Werkstatt, und bei ihren Süppchen werden Neuigkeiten ausgetauscht: über Konzerte, Ausstellungen oder die Theaterszene. Dabei entstand vor sieben Jahren die Idee zum „Salon im Atelier unter der Linde“. Dreimal jährlich wird seitdem die Kunstwerkstatt verwandelt: in ein Theater, Literaturhaus, Kino oder Konzertsaal für 50 Gäste. Manch einer fühlt sich dabei zurückversetzt in die 1920-er Jahre, als Künstler aller Genres sich in den Salons von Berlin oder Paris begegneten und austauschten. Liebevoll wurde Bahrkes Atelier deshalb in Künstlerkreisen zu „Hamburgs kleinstem Kulturbetrieb“ ernannt.
Der wird jetzt öffentlich gefeiert mit kulturellem Programm: Die Schauspieler Jana Schulz und Hanns-Jörg Krumpholz kommen extra zum Stelldichein, Singer-Songwriterinnen Birte Gäbel und Marie Glaß präsentieren Lieder am Klavier. Pianistin Newena Popow gibt ein Stück von Nikos Titokis: In dem spannenden Projekt „Neun Tänze“ komponiert Titokis Klaviermusik eigens zur Malerei von Stephanie Bahrke. Und es gibt „kulinarische Unterstützung“ am Buffet: von Ori Tondowski aus der Kantine des Schauspielhauses.(wh)

Sonntag, 28. Juni, 13-18 Uhr, Atelier unter der Linde, Timmermannstraße 1, Eintritt frei
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