Mehr Afrika in Hamburg

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Idrissa Omer Ouedraogo, der seit 2007 in Hamburg lebt, hat den Verein abed e.V. gegründet, der in Burkina Faso hilft, Lebenssituationen zu verbessern Foto: Hanke
 
„Ur-Oma Oussou“: eine der starken Frauen Afrikas. Ein Foto aus der Ausstellung „Lebendige Ketten“ Foto: Jérome Kouadio

Völkerkundemuseum setzt stärker auf Spezialausstellungen

Rotherbaum Afrika dominiert in diesem Jahr das Völkerkundemuseum. Genauer gesagt: „Vielfalt Afrika“. Denn die Vielfalt des schwarzen Kontinents wird in Europa viel zu wenig wahrgenommen, finden die Ethnologen des Museums. Was alles Afrika ist, davon kann man in diesem Jahr einiges im Völkerkundemuseum erfahren. Von Afrikas Topmodels (Ausstellung ab 11.10.) zum Beispiel, dem Zwiespalt zwischen Naturerhalt und Tourismus am Beispiel Botswanas (Ausstellung ab 10.12.), den „Lebendigen Ketten“, die Afrika gefangenhalten, oder von den Kulturen zweier Völker in den heutigen Staaten Burkina Faso und Ghana (beide Ausstellungen ab jetzt).
Die Nuna und die Kassena hat Jürgen Zwernemann, von 1971 bis 1991 Direktor des Völkerkundemuseums, 1954 bis 1956 mit zwei Kollegen genau erforscht. Seine ethnologischen Feldforschungen hat Zwernemann nach seiner Pensionierung zusammengefasst und als Buch herausgegeben.

Auch die Gegenwart wird dokumentiert


Viele der von ihm gesammelten Stücke sind jetzt in der Ausstellung „Aus einer anderen Zeit... Ethnologische Feldforschung 1954-56 in der westafrikanischen Savanne“ zu sehen. Auf Regionalität setzt der derzeitige Direktor, Zwernemanns Nachfolger Wulf Köpke, der beabsichtigt die derzeitigen Dauerausstellungen des Museums über einzelne Kontinente oder Kulturen aufzulösen. „Die Welt ist zu sehr vernetzt. Das Allgemeinwissen über Kontinente und Kulturen leistet heute das Netz. Das müssen wir nicht mehr machen“, sagt Köpke und findet sich von den Museumsbesuchern bestätigt: „Die Spezialausstellungen werden stärker besucht als die Dauerausstellungen.“ So wird zum Beispiel die Vielfalt Afrikas in den kommenden Jahren immer deutlicher werden.
Und noch etwas hat sich im Laufe der Jahre verändert. Auch die Gegenwart, im Fall Afrikas die europäische Beeinflussung, wird dokumentiert. Die Feldforschungen Jürgen Zwernemanns konzentrierten sich auf die voreuropäische Zeit des schwarzen Kontinents. So zählten zu seiner Sammlung zehn Saiteninstrumente, die die Nuna und Kassena nur noch selten benutzten, und ein Fahrrad, das häufigste Fortbewegungsmittel dieser afrikanischen Stämme in den 1950er Jahren. Dennoch findet Köpke, dass die Arbeit und das daraus entstandenen Buch seines Vorgängers ein „Glücksfall“ sind, denn fast 2.000 Objekte des Museums erfahren hier eine genaue Einordnung. Auch für die beschriebenen Völker dürfte das Werk von großem Wert sein.

Afrika in Ketten


Ebenfalls kürzlich eröffnet wurde die Ausstellung „Lebendige Ketten“, eine Hommage an Afrika und seine Menschen. Fotograf Jérome Kouadio aus Hamburg mit Wurzeln in der Elfenbeinküste zeigt hier viele seiner Fotos von verschiedenen Ketten sowie von afrikanischen Frauen und Kindern. Die Kette als Symbol für Unterwerfung, Abhängigkeit und Gefangenschaft ist für ihn immer noch in Afrika präsent. Frauen und Kinder leiden darunter am meisten. Im Mittelpunkt seiner Ausstellung (bis 31. Mai) steht die Frage „Welche Zukunft hat das Afrika von morgen?“
Ein weitere Fotoausstellung zeigt die Lebenssituationen in Burkina Faso und die Arbeit des Vereins abed e.V. mit Sitz in Hamburg, dessen Schwesterverein in Burkina Faso versucht, das Leben in diesem westafrikanischen Staat in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Migration zu verbessern (bis 19. April).
Alle Afrika-Aktivitäten des Museums sind in Zusammenarbeit mit Afrikanern aus Hamburg entstanden. Die Afrikaner können wichtige Hinweise geben. Zum Beispiel dass Masken und Maskenkostüme im Original nicht ausgestellt, sondern begraben werden müssen. Sonst müssen ihre früheren Träger sterben. Das wusste schon Jürgen Zwernemann. Deshalb hat er nie Originale gesammelt, sondern Masken nachbauen lassen. (ch)

Weitere Informationen: Museum für Völkerkunde in Hamburg
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