Mit einer Droschke nach Paris

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Sein letzter Triumph: Der eiserne Gustav fährt als letzter Droschkenkutscher Berlins 1928 nach ParisFoto: Hanke

Premiere im Winterhuder Fährhaus: „Der eiserne Gustav“ nach Hans Fallada

Winterhude. Berlin - Paris - Berlin: Gustav Hackendahl, Berlins letzter Droschkenkutscher, startet 1928 zu einer legendären und allseits bejubelten Kutschfahrt. „Der eiserne Gustav“ wurde er genannt, hieß eigentlich Gustav Hartmann, aber in Hans Falladas Roman über ihn und auch in Peter Lunds Theaterfassung, die jetzt in der Komödie Winterhuder Fährhaus, Hudtwalckerstraße 13, zu sehen ist, hört er auf den Namen Hackendahl.
Walter Plathe, spezialisiert auf Berliner Originale, spielt den „eisernen Gustav“ im ersten Teil souverän im konventionellen Bühnenbild von Mike Hahne als den keinen Widerspruch duldenden Patriarchen, ein typischer Familienvater des Kaiserreichs, der ganz in dieser autoritär strukturierten Gesellschaft verhaftet ist. Gegen den die Kinder aufbegehren - und scheitern. Otto macht das Dienstmädchen zur Mutter, verschweigt diese Beziehung vor dem Vater und fällt im letzten Kriegsjahr. Erich gibt den Sozialisten, lebt als solcher in den Nachkriegsjahren in Saus und Braus, um sich schließlich den Nationalsozialisten anzuschließen.
Eva verguckt sich in einen „Luden“ und geht schließlich für ihn auf den Strich. Auch Heinz („Bubi“), der jüngste, kommt vom rechten Weg ab, schmeißt die Schule und wird vom Vater ebenso verstoßen wie die anderen Kinder.
Lunds Theaterfassung von „Der eiserne Gustav“ zeigt den durch den Ersten Weltkrieg beschleunigten Zerfall der Familie Hackendahl, der im Ruin des Droschkenkutschers und seiner gehorsamen, aber nicht auf den Kopf gefallenen Frau, „Muttern“, in einer Remise endet. Die etwas zähflüssig beginnende Inszenierung von Martin Woelffer nimmt im zweiten Teil mit dem Absturz der Familie Hackendahl Fahrt auf. In kurzen, schnell wechselnden Szenen wird deren Unglück gezeigt.
Insbesondere Walter Plathe, der die Wandlung des eisernen Gustav vom gestrengen Pater Familias zum ernüchterten, genauen Beobachter seiner Situation überzeugend zu zeichnen weiß, und Henrike von Kuik, die dessen sich vom unbedarften „Backfisch“ über den schwärmerischen Teenager zur zerbrochenen Prostituierten verändernde Tochter Eva eindrucksvoll Gestalt gibt, beeindrucken. „Der eiserne Gustav“ wird bis zum 15. September in der Komödie Winterhuder Fährhaus, Hudtwalckerstraße 13, gespielt. (ch)

19.30 Uhr, So. 18 Uhr, 13 - 37, 50 Euro, Tel.: 480 680 80
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