Operngehabe im Altersheim

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Waren einmal ein Paar: Reggie (Werner Rehm) und Jean (Dinah Hinz) Foto: Bo Lahola

„Quartetto“ in den Hamburger Kammerspielen schwankt zwischen Drama und Tragikkomödie

Eppendorf „Ich hatte zwölf Vorhänge, Du hattest neun.“ Am Lebensende rechnen die vier ehemals gefeierten Opern-Stars ab – mit sich und den anderen. In einem Altenheim für Musiker (das es in Mailand, gegründet von Giuseppe Verdi, tatsächlich gibt) treffen sich Jean (Dinah Hinz), Cissy (Anke Tegtmeyer), Reggie (Werner Rehm) und Wilf (Gerhard Garbers) zum Showdown wieder. Besondere Brisanz bekommt die Alten-WG aufgrund der Tatsache, dass Jean und Reggie vor langer Zeit verheiratet waren. Auf dem Höhepunkt ihrer kreativen Schaffenskraft sangen die vier gemeinsam Verdis berühmtes Quartett „Bella Figlia Dell‘ Amore“ aus „Rigoletto“. Nun ist ihre Bühne das Musikzimmer des Heims, auf der sie, sowohl körperlich als auch psychisch angekratzt, langsam ihre Masken fallen lassen. Das gerät in Hansgünther Heymes Inszenierung von Ronald Harwoods „Quartetto“ im ersten Teil streckenweise sehr langatmig und schwankt zuweilen unentschieden zwischen Drama und Tragikomödie. Boulevardeske Einlagen wie Türenknallen, verrutschte Gemälde oder Grimassenschneidereien wären verzichtbar. Auch ohne letztere Gesten machen die vier gestandenen Schauspieler die Abhängigkeit und die zerplatzten Träume der einst gefeierten Stars, die nun zum Großteil auf Sozialhilfe angewiesen sind, mehr als deutlich. (flü)

„Quartetto“ ist bis zum 16. März in den Kammerspielen zu sehen, Karten unter Telefon 413 34 40, weitere Infos: www.hamburger-kammerspiele.de
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