Papa zieht nach New York

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Großartiges Duo auf der Bühne: Joachim Bliese und Ulrike Folkerts in „Chuzpe“Foto: Bo Lahola/wb

Kammerspiele: Launisches Vater-Tochter-Stück mit TV-Star Ulrike Folkerts

Eppendorf Chuzpe muss man haben, um der Vergänglichkeit etwas entgegenzusetzen. Das gilt besonders, wenn man mit fast 90 Jahren nach New York zieht. So wie Edek (Joachim Bliese), der nach einem langen Leben in Australien zu seiner Tochter Ruth (Ulrike Folkerts) nach Manhattan zieht.
Vater und Tochter könnten unterschiedlicher nicht sein: Der Ausschwitz-Überlebende Edek genießt das Leben in vollen Zügen, hat den 87-jährigen Kopf voller Pläne und ist den Brüsten der Polin Zofia verfallen. Für die neurotische, essgestörte, erfolgreiche Unternehmerin Ruth, die die Dinge gern unter Kontrolle hat, beginnt ein Albtraum. Sie liebt Edek aber viel zu sehr, als dass sie ihm die Finanzierung seiner Träume versagen könnte und lässt sich widerstrebend ein auf die Suche nach einer größeren Wohnung für ihren Vater, Zofia und deren polnische Freundin Valentina und die Eröffnung eines Restaurants für polnische Klöpse mit dem zweideutigen Namen „You gotta have balls“. Denn Eier (balls) muss man in New York haben, um in diesem Moloch von Stadt nicht unterzugehen und eben auch Chuzpe, diese charmante, entwaffnende Frechheit, der man – und Tochter Ruth im Speziellen – einfach erliegen muss.
Regisseur Henning Bock bringt den gleichnamigen autobiografischen Erfolgsroman von Lily Brett als warmherzige Komödie, die stellenweise etwas mehr Tempo vertragen könnte, mit herausragender Besetzung auf die Bühne der Kammerspiele. Fernseh-Tatort-Kommissarin Ulrike Folkerts hält in einem ihrer seltenen Theaterausflüge den Handlungsverlauf zusammen und Joachim Bliese gibt ihren charmant unkonventionellen Vater, bei dem doch immer wieder leise der furchtbare Hintergrund und das Trotzdem für seine Lebenslust aufblitzen. Rabea Lübbe glänzt als Ruths Assistentin Max, Angelika Bartsch spielt ihre Zofia mit polnischem Klischee ohne sie der Lächerlichkeit preiszugeben und Meike Harten sorgt als Ruths Freundin Sonya für einen Hauch von „Sex and the City“.
Die Musik von Deborah Wagon liefert den perfekten Soundtrack für die Komödie, die durch das Bühnenbild von Martin Fischer immer den richtigen Rahmen erhält: Die Metallstreben verweisen sowohl auf die Landmarken New Yorks wie Brooklyn Bridge und Wolkenkratzer, auf das Loft der erfolgreichen Ruth oder, in das warme Licht von Lichterketten getaucht, auf das gemütliche Klopse-Restaurant in Lower Manhattan. (flü)

„Chuzpe“ ist noch bis zum 31. März in den Kammerspielen zu sehen, Karten unter
Telefon 41 33 44 0 oder online unter www.hamburger-kammerspiele.de
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