Peppige Dialoge

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Bruno (Achim Wolff) kommt bei den Damen mit roten Rosen gut an. Josefine (Judy Winter, l.) erwartet einen Antrag und Agnes (Chariklia Baxevanos) will mit ihm durchbrennen. Foto: Thomas Grünholz

„Spätlese“ an der Komödie Winterhuder Fährhaus

Winterhude. Zwischen Bridgepartien und Beerdigungen geht das Leben von Josefine, Agnes und Maria in der Seniorenresidenz Abendrot seinen geregelten, nicht sonderlich aufregenden Gang. Bis der neue Pfleger Tarek, Josefines alter Bühnenkollege Bruno und eine unbekannte Frau für Turbulenzen sorgen.
In Folke Brabands Komödie „Spätlese“, die jetzt in der „komödie winterhuder fährhaus“, Hudtwalckerstraße 13, zu sehen ist, werden Josefine und Maria plötzlich mit ihrer Vergangenheit konfrontiert und die von Demenz geplagte Agnes träumt noch einmal von einem neuen Leben. Bruno entzückt die frühere Schauspielerin Josefine, die sich als Grand Dame und Diva gefällt.
Man schwärmt von alten Zeiten und rezitiert klassische Rollen. Josefine hofft auf einen Antrag, doch Bruno hat ganz anderes im Sinn.
Eine Enttäuschung erlebt auch Maria, die von ihrer Tochter Natalie besucht wird, die sie als Säugling zur Adoption freigegeben hat. Natalie ist wütend auf die echte Mutter und verschwindet so schnell, wie sie gekommen ist. Agnes lässt sich derweil ganz in den Bann der Rateshow „Wer wird Millionär?“ ziehen, lebt nur noch zwischen Telefon- und Publkumsjoker. Und mit Tarek spielen alle drei Strippoker.
Brabands Komödie lebt von den peppigen Dialogen und Sticheleien der drei noch überhaupt nicht vergreisten alten Damen. Auch die vergessliche Agnes wirkt da noch ganz frisch.
Dabei erhalten allerdings die sehr ernsten Geschichten um Bruno und Josefine und vor allem um Maria und ihre Tochter in Jürgen Wölffers Inszenierung nicht das nötige Gewicht.
Letztere bleibt in Brabands Stück ohnehin merkwürdig angerissen, wird wie kurz nebenbei erzählt. Schade, „Spätlese“ hätte das Zeug zu einer richtigen Komödie. Das Damentrio Judy Winter, Hannelore Cremer und Chariklia Baxevanos lässt die Unausgewohenheiten von Stück und Regie jedoch vergessen. Die drei großen Schauspielerinnen wissen in ihren dankbaren Rollen zu glänzen und finden in Achim Wolff als routinierten Charmeur eine ebenso glanzvolle Ergänzung. „Spätlese“ wird noch bis 11. November in der „komödie winterhuder fährhaus“ gespielt. (ch)
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