Peter Schütt, der Mann der literarischen Hochtouren

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Lebt und arbeitet mit Blick auf den Stadtpark: Dr. Peter Schütt Foto: Haas

„Unter den Talaren der Muff...“. Gedichtband zum 75. Geburtstag

City Nord Er ist ein Vegetarier, der ab und zu mal Fleisch isst. Als leidenschaftlicher Fahrradfahrer und Fußgänger liebt er den Stadtpark, um dessen Geschicke er sich auch als aktives Mitglied im Stadtpark-Verein kümmert. Und als Schriftsteller bringt er seit Jahren die City Nord auf literarische Hochtouren: Mit seinen bislang 362 Waschhaus-Lesungen sonntags am Wesselyring ebenso wie in seiner Schreibwerkstatt für Profis und Amateure.
Peter Schütt, promovierter Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Lyriker und Journalist, der im Dezember seinen 75. Geburtstag feierte, vereinigt unglaubliche Widersprüche auf eine erstaunliche Weise: Er ist zutiefst religiös, dabei bleibt er weltzugewandt, pazifistisch, ist tolerant und aufgeschlossen. Sein aufregendes Leben, von seiner Kindheit und Jugend in der niedersächsischen Küstenregion an der Niederelbe bis zu seinem Leben in der City Nord schilderte der Schriftsteller schon schon vor fünf Jahren ausführlich und spannend in seinen Memoiren: „Von Basbeck am Moor über Moskau nach Mekka. Stationen einer Lebensreise“.

Bewegte Vita


Seine früheste Kindheitserinnerung sei ein grausam hell erleuchteter Himmel in einer der vielen Bombennächte Ende Juli 1943: Ganz Hamburg brannte, nach dem britischen Flächenbombardement der „Operation Gomorrha“. Die „chaotische Zeit“ nach Kriegsende sei prägend gewesen. Etwa als sechs indische Sikks im benachbarten Dorfgasthof logierten, sie waren als britische Soldaten eingesetzt im Lager von Flüchtlingen und ehemaligen Zwangsarbeitern, einer „Notgemeinschaft mit internationaler Besetzung“ in der 100-Seelen-Gemeinde Basbeck am Moor. Auch während seiner Studienzeit in Hamburg kommt es zu prägenden internationalen Begegnungen. Unter ihnen weckt der politisch aktive Imam Mehdi Razvi sein Interesse an der orientalischen Kultur. Als engagiertes SDS-Mitglied beteiligt er sich federführend an politischen Aktionen. „Unter den Talaren der Muff von 100 Jahren“: Der vielfach zitierte Slogan stammt aus seiner Feder. Der Sturm auf ein Denkmal aus der Kolonialzeit kostet seinen Job als Assistent an der Uni.
Mit 19 Jahren konvertierte er zur katholischen Religion, wurde als überzeugter Christ und Pazifist nach Auflösung des SDS zum DKP-Gründungs- und Vorstandsmitglied, bis ihn die Partei ausschloss, weil er Gorbatschows Reformkurs unterstützte.

Aktiv als Muslim


Seit 25 Jahren besucht er als ebenso überzeugter wie liberaler Muslim nicht nur regelmäßig die Freitagsgebete in der blauen Moschee an der Schönen Aussicht. Inzwischen wurde er Sprecher der deutsch-islamischen Gemeinde, leitet zudem die interreligiösen Dialoge der Patriotischen Gesellschaft und sucht das Gespräch mit Angehörigen aller Religionen. 35 Jahre lang lebte er als freier Schriftsteller in der Eppendorfer Landstraße, vor zwölf Jahren zog er in die City Nord, zusammen mit Sohn Rubin, 25. Tochter Daria, 19, wohnt in der Nähe.
Er verfasste zahlreiche Bücher, auch Herausgeberbände. Zu Zeiten von Frank Schirrmacher und Marcel Reich-Ranicki schrieb er regelmäßig über orientalische Literatur für die FAZ.

„Peterchens Mondfahrt“


Pünktlich zum 75. Geburtstag erschien „Peterchens Mondfahrt“ bei Pashmin Art. Der Gedichtband enthält „100 Gedichte aus 50 Jahren“ seines Schaffens, chronologisch angeordnet nach Stationen seines Lebens und illustriert mit Bildern, Skulpturen und Objekten der Konzeptkünstlerin Helga Kreuzritter. (wh)
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