„Rain Man“ auf der Bühne

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Charly Babbit (Stefan Haschke, l.) und sein autistischer Bruder Raymond könnten nicht verschiedener sein Foto: Bo Lahola/hfr

Filmklassiker in den Kammerspielen: Der Funke springt nicht über

Ein Filmklassiker auf der Theaterbühne. Schon lange keine Seltenheit mehr. Vor allem das Altonaer Theater hat in Hamburg mit Filmhits reüssiert. Nun ist auch an den Hamburger Kammerspielen, vom selben Intendanten wie Altona geleitet, Filmflair eingezogen. Christian Nickel, schon in Altona mit Filmstoff betraut, inszenierte „Rain Man“ nach dem Erfolgsfilm von 1988 mit Dustin Hoffman und Tom Cruise.
Die Comicfiguren links und rechts von der Bühne stehen für das damalige Amerika: Nancy und Ronald Reagan, John Travolta, Barbie, die Simpsons, Superwoman. Bei Autohändler Charly Babbitt geht´s hoch her. Die Telefonleitungen glühen. Der Betrieb steht kurz vor dem Zusammenbruch. Geschäftspartner verlangen ihr Geld. Ein Anruf interessiert Charly aber wenig. Die Mitteilung, dass sein Vater gestorben ist. Mit seinem Dad hat sich Babbit überhaupt nicht verstanden. Was Wunder, dass er keinen Cent von dessen Vermögen erbt. Das Geld geht an eine Stiftung, die Charlys Bruder Raymond versorgt, ein Bruder, von dem Charly bislang nichts wusste. Raymond ist Autist, kann sich alles merken, auch die allerlängsten Zahlenkolonnen. Charly nimmt ihn einfach mit auf eine Spritztour nach Los Angeles, um an das Geld seines Vates ranzukommen. Doch auf dieser Fahrt verändert sich sein Verhältnis zum vermeintlich bekloppten Bruder.
Mit der Annäherung der beiden Brüder zueinander spielten sich Dustin Hofmann und Tom Cruise einst in die Herzen des Publikums. Auf der Kammerspiel-Bühne vollzieht sich der Wandel im Verhältnis der Brüder nur äußerlich. Emotional findet er nicht statt. Zwar spielt Benno Ifland den Autisten Raymond grandios mit leicht angeschrägter Kopfhaltung und stockender monotoner Stimme und Stefan Haschke ist ein überzeugender geldgieriger Großkotz, doch es funkt einfach nicht zwischen den beiden. Die kurze Szenenfolge, gerade im zweiten Teil, lässt den beiden auch nicht allzuviel Zeit. So bleibt eine schlaglichthafte Nacherzählung des Films mit einigen guten schauspielerischen Leistungen. Meike Harten kann mit köstlichen Kurzauftritten als vollschlanke Lucy, als unbedarfte Kellnerin und routinierte Glamour-Nutte punkten. Bis 2. Juni ist „Rain Man“ in den Hamburger Kammerspielen, Hartungstraße 9-11, zu sehen. (ch)
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