Serienmord in Winterhude

Wann? 20.03.2017

Wo? Rehhoffstraße 1 - 3, Rehhoffstraße 3, 20459 Hamburg DE
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Liebt klassische englische und amerikanische Krimis: Autor Hermann Teiner Foto: flü
 
Gemordet wird nach Rezept: Das Winterhuder Quartier um den Schinkelplatz hat eine Hauptrolle Repro: wb
Hamburg: Rehhoffstraße 1 - 3 |

Der Hamburger Autor Hermann Teiner setzt beim Krimi auf Lokalkolorit. Benefiz-Lesung am 20. März

Von Miriam Flüß
Hamburg-Winterhude
Krimis mit Lokalkolorit boomen. Nun hat auch Winterhude einen eigenen literarischen Mordfall: In der Gastronomieszene rund um den Mühlenkamp treibt im „Winterhuder Mordmenü“ ein Mörder sein Unwesen. Mysteriös: Die Opfer sind immer Österreicher und am Tatort werden österreichische Rezepte hinterlassen. Ein Fall für Privatdetektiv Heinrich Tegeler. Der Sieger einer Quiz-Show hat sich mit seinem Preisgeld den Traum von einer Detektei am Schinkelplatz erfüllt. „Das Mühlenkamp-Viertel ist mein Greenwich Village“, schwärmt Autor Hermann Teiner von seinem Kiez rund um den Schinkelplatz, wo er seit mehr als 30 Jahren lebt. Inspiriert wurde der gelernte Koch und praktizierende Sozialpädagoge von US-Autor Kinky Friedman: „Friedman hat eine fantastische Sprache mit viel politischer Inkorrektness und freien Assoziationen. Seine Handlungen spielen in der Kneipenszene von Greenwich Village in New York.“

Café statt Astra-Kneipe

Den Kick habe ihm dann aber die Schließung von Teiners Stammkneipe Niewöhner an der Gertigstraße vor sechs Jahren gegeben. In seinem Krimi lässt er die Kneipe als einen der Hauptschauplätze einfach wieder aufleben. Zusammen mit vielen weiteren legendären Etablissements des Viertels: Löschkeller, Igel, Café Kaputt, Eckhaus oder Downtown Blues Club. „Früher war hier alles voller Astra-Kneipen“, so der 58-Jährige bei einem Latte Macchiato in dem schwedischen Café Frau Larsson am Schinkelplatz. Teiner wohnt direkt darüber: „Auch Frau Larsson war früher eine Astra Kneipe. Heute hat sich die Kneipenkultur geändert, es gibt viele Burger-Läden und Tapas-Bars. Für mich ist das sehr genormt. Aber ich will nicht sagen, dass früher alles besser war!“

Liebevolle Schilderung des Viertels

Die Handlung seines Krimis tritt gegenüber der liebevollen Schilderung des Viertels und besonders der Gastroszene in den Hintergrund: „Der Plot ist sicher nicht das Beste an dem Buch“, bekennt Teiner, der den Wandel im Viertel in den letzten 30 Jahren mit spitzer Feder zu Papier bringt. Das liest sich so: „Draußen im Café Frau Larsson hatten sich die Außentische bereits mit jungen Müttern und ihren Babys gefüllt. Frau Larsson hatte vor einem halben Jahr ihr kleines schwedisches Bistro in unserem Haus aufgemacht und das gute alte Astrastübchen meines Kumpanen Erhard abgelöst. Wie viele andere Geschäftsleute im Mühlenkampviertel konnte Erhard die neuen Mieten nicht mehr aufbringen.“

Schinkelplatz ist Mutter-Kind-Zentrum

Vor zwanzig Jahren hätte man aus dem Schinkelplatz noch ein Seniorenwohnheim machen können. Heute ist er ein Mutter-Kind-Zentrum. Ebenso wie die Kneipen hätten auch die Schlachter des Viertels aufgeben müssen: „Zwischen Gucci und Latte Macchiato passen keine Wurstauslagen“, bedauert Teiner. Einen „sozialpolitischen Impetus oder eine Gentrifizierungs-Kritik“ habe sein Krimi aber ausdrücklich nicht: „Der Wandel ist normal.“ Neben viel Lokalkolorit und einer schrägen Handlung mit eigenwilligen Typen, die allesamt auf realen Bekannten des Autors beruhen, gibt es von ihm auch viele Koch-Tipps. Und Spannendes aus Winterhudes Historie zu erfahren. So etwa, dass im Penny-Markt am Mühlenkamp früher die Disco Tabaris beheimatet war, in der Jimi Hendrix nach Auftritten im Star Club Gast war.

Benefiz-Lesung am 20. März

Fünf Jahre lang hat Hermann Teiner an seinem Krimi geschrieben. Dann hat sich der auf lokale Krimis spezialisierte KSB Verlag bei Stuttgart für das „Winterhuder Mordmenü“ interessiert. „Das war für mich wie ein Ritterschlag“, freut sich Teiner. Ebenso wie die Einladung zu der Benefiz-Lesung: Am Montag, 20. März, um 19 Uhr können Zuhörer im Ledigenheim an der Rehhoffstraße 1 - 3 auf Mördersuche und eine nostalgische Kneipen-Tour im Mühlenkampviertel gehen. Der Eintritt ist frei, Spenden zum Erhalt des Ledigenheims sind erwünscht. Der Roman ist erschienen beim KSB Verlag und kostet 12,50 Euro.
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