Stimmungsvolles Leuchten

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Christian Lahan zeigt zwei seiner farbenfrohen Werke Foto: Gabrie

Künstler des Ateliers Lichtzeichen stellen farbenfrohe Werke aus

Alsterdorf Das Leben erwacht an diesem kühlen Herbstmorgen am Alsterdorfer Markt: Nach und nach öffnen die Geschäfte, Passanten mit Brötchentüten gehen durch das neblige Grau. Schon von weitem erkennt man über einer Ladenzeile das Atelier Lichtzeichen, das seit 22 Jahren wohltuende Wärme spendet. Gelb, Orange, Gold, Pink: Hier ist das Leuchten zu Hause. „Das kraftvolle Farbkonzept geht auf unseren Gründer Hans-H. Matthies zurück“, erklärt Marcel Ben Merabet (24), verantwortlich für Verkauf und Marketing im Atelier. Er stammt aus dem Musikmanagement, kam über ein ‚Freiwilliges Soziales Jahr‘ ins Team und ließ sich dann zum Veranstaltungskaufmann ausbilden. „Insgesamt muss das Bild stimmen, ansonsten sind wir aber offen für alle Stilrichtungen.“
Derzeit arbeiten 21 Personen im Atelier – sie sind körperlich, geistig oder psychisch beeinträchtigt. „Im Atelier finden sie Struktur, soziale Kontakte und Anerkennung“, erzählt Ben Merabet, „Die Einrichtung ist in ihrer Art einzigartig.“ Individualität wird groß geschrieben – je nach Maßnahme sind die Künstler zu unterschiedlichen Arbeitszeiten anwesend. Die meisten von ihnen sind Autodidakten.
So wie Jan Thielbeer (46). In den Bildern des gelernten Bauzeichners spiegeln sich liebevoll gestaltete Details aus längst vergangenen Zeiten wider. Ob My Fair Lady, Charles Dickens, Jules Verne oder William Turner, die Einflüsse sind vielfältig. „Hier im Atelier ist niemand allein, und man wird gebraucht“, berichtet er. „Es macht viel Freude, sich mit anderen über Kunst auszutauschen.“
Auch Christian Lahan (46) ist mit Begeisterung dabei. Er malt gern „Punktebilder“ mit abstraktem Charakter sowie Hamburg-Motive. Gemeinsam mit anderen arbeitet er zurzeit an einem herbstlichen Pflanzenmotiv. „Ich liebe es, etwas mit Farben zu machen, einen anderen Beruf kann ich mir nicht vorstellen“, sagt er begeistert. Sein Kollege André Dessaules (47) hat Kunstgeschichte studiert. In seinen Arbeiten finden die Stile von Picasso, Hundertwasser, Kandinsky und vielen weiteren Künstlern Eingang. „Im Atelier kann ich mich selbst verwirklichen“, erzählt er. Bevor er im Lichtzeichen anfangen konnte, hat er, wie viele Künstler hier, zunächst hospitiert und ein Praktikum absolviert. „Die Plätze sind begehrt“, erzählt Ben Merabet.
Dass in Alsterdorf hervorragende Kunst geschaffen wird, hat sich weltweit herumgesprochen. „Wir möchten keineswegs nur auf Maler mit Handicaps reduziert werden“, betont Marcel Ben Merabet. Jedes Jahr finden bis zu 30 Ausstellungen statt. Lichtzeichen-Bilder hängen in New York, Mailand und Boston – der verdiente Lohn für die geleistete Arbeit.
Die nächste Ausstellung des Ateliers Lichtzeichen: am 11. Oktober. Von 11 bis 18 Uhr öffnet das Atelier anlässlich des Kartoffelschmaus seine Türen. (sg)
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