Vater- und Tochtergefühle

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Joanna Semmelrogge und Walter Plathe bestens aufgelegt im Stück „In alter Frische“ Foto: Barbara Braun

„In alter Frische“ entpuppt sich im Winterhuder Fährhaus als ernsthafte Komödie

Winterhude In die Jahre gekommener Pädagoge unterrichtet junges Mädchen ohne Bildung. Dieses Thema hat derzeit auf Hamburgs Bühnen Konjunktur. Neben den bekannten Versionen „Pygmalion“ (Thalia Theater) und „Educating Rita“ (English Theatre) zeigt die Komödie Winterhuder Fährhaus Stefan Vögels Komödie „In alter Frische“. Hier ist es ein früherer Schuldirektor aus altem Rittergeschlecht, der einer jungen Schulabbrecherin mit Kind noch zum Abschluss verhelfen will. Da dieses Thema aber nicht das einzige des Stückes ist, wurde es nicht mit der Intensität bearbeitet wie bei den berühmten Vorgängern. „In alter Frische“ spielt in einer Seniorenresidenz, in der der höchst eigenwillige Ritter Ludwig von Schwitters an jedem Sonntag mit drei Mitbewohnern Trivial Pursuit spielt und seine Mitspieler Elisabeth, Norbert und Franz Josef schulmeisterlich maßregelt.

Bewährte Komik


Was ihm angesichts typischer Altersleiden – Ex-Bahnhofsvorsteher Norbert kann kaum noch gucken, Franz Josef wackelt mit dem Kopf und ist leicht dement – nicht schwer fällt. Aber auch Schwitters hat mit altersbedingten Einschränkungen zu kämpfen. Daraus zieht Vögels Stück bewährte Komik, bevor Paula ins Spiel kommt, um Schwitters seinen Sonntagsbraten zu bringen, den er dem Essen der Residenz vorzieht. Die junge Mutter ersetzt einen Studenten, den der Ex-Rektor gefördert hatte. Mit ihrer direkten, mitunter rotzfrechen Art erweist sich Paula dem Ritter gegenüber als ebenbürtig, der schließlich einwilligt, sie in Mathematik auf ihren Schulabschluss vorzubereiten. Beide sehen in dem jeweils anderen einen verlorenen direkten Verwandten. Für Paula ist Schwitters Ersatz für den nie gekannten Vater und für Schwitters ersetzt Paula die Tochter, die den Kontakt zu dem Ex-Rektor abgebrochen hat, weil der seine Schule versoffen hat und mit seiner Geliebten durchgebrannt ist. „In alter Frische“ ist eine ernsthafte Komödie über verschiedene Formen menschlicher Nähe, gespielt von einem bestens aufgelegten Ensemble mit Walter Plathe in der Hauptrolle, mit Brigitte Grothum, Philipp Sonntag und Siegfried Kadow in den Rollen der beiden altersschwachen Trivial-Pursuit-Spielern, einer quirligen Joanna Semmelrogge und Konstanze Proebster als resolute Krankenschwester. (ch)

„In alter Frische“ wird bis 22. Mai im Winterhuder Fährhaus, Hudtwalckerstraße 13, gespielt. Karten unter Telefon 480 680 80
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