Wieder-Aufnahme

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Das Theater im Zimmer in der Villa an der Alsterchaussee Foto: Hanke
 
Gerda Gmelin (1919 - 2003) war 40 Jahre lang Intendantin des Theaters im Zimmer Foto: Archiv/ch

Langjähriger Theatermann will eine Hamburgensie erwecken

Harvestehude Vorhang auf im Theater im Zimmer! Am Donnerstag, 29. Oktober, wird in dem kleinen feinen Theater an der Alsterchaussee 30 endlich wieder einmal eine Theaterpremiere stattfinden. In Anlehnung an die frühere Leiterin Gerda Gmelin ein Stück von Eugène Ionesco, das dort vor 45 Jahren gespielt wurde. „Hunger und Durst“, das letzte Stück einer Stückeserie des berühmten Dramatikers des absurden Theaters. „Es ist sein bestes“, findet Hans-Peter Kurr, der sowohl damals als auch heute Regie führt. Kurr, der am Theater im Zimmer inszenierte und spielte, hat ein junges Ensemble aus eigenen Schülern und ehemaligen Schülern einer bekannten Hamburger Theaterschule, an der er unterrichtet, um sich geschart.
Genau im richtigen Moment hatte sich der erfahrene Theaterhase um das Theater im Zimmer als Aufführungsstätte gekümmert. Über seine guten Verbindungen in Hamburgs Theaterszene erfuhr Kurr, dass die Musikhochschule, die das Theater im Zimmer in den letzten Jahren genutzt hatte, ausgezogen war. „Aus Kostengründen und weil wir in ein provisorisches Domizil in die City Nord umgezogen sind“, erläutert Gabriele Bastians, die Sprecherin der Hochschule. Kurr wandte sich an Richard Kunicki, der das Theater im Zimmer 2002 erworben und für 3,5 Millionen Euro komplett umgebaut hatte. Nach dem Flop mit einem in allen Räumen spielenden Theaterstück, hatte Kunicki das Theater für Firmenevents und Seminare vermietet. Bis die nahegelegene Musikhochschule Interesse zeigte.
Nun soll das Theater zurückkehren. „Ich bin auf der Suche nach einer vernünftigen Nutzung“, sagt Kunicki dem Wochenblatt. Mit Kurr versucht der Eigentümer den Bogen zur Vergangenheit des Theaters zu schlagen. Die alten Zeiten des Avantgarde-Theaters unter Gerda Gmelin könnten wieder aufleben. Die langjährige Leiterin (1959-1999) entdeckte viele unbekannte Autoren für Hamburg, so in den 1960er Jahren auch die Absurden wie Ionesco. Ihr Vater Helmuth Gmelin hatte das Theater 1948 tatsächlich in einem Zimmer, auch in der Alsterchaussee, gegründet.
Theater wird aber zukünftig nur funktionieren, wenn die klassizistische Villa, ein früheres Sommerhaus aus dem Jahre 1829, auch wieder für Events aller Art vermietet wird. Hans Peter Kurr muss, wie im freien Theater üblich, Geld mitbringen. „Wir haben nichts, weder Geld noch Technik. Wir machen alles selbst“, erzählt der 78-jährige Theatermann. Aber er hat viel jungen Enthusiasmus und schon beachtliches Können um sich. Denn die jungen Mimen sind Profis und einige wie Ines Nieri waren schon häufig in Hamburg zu sehen. Die Atmosphäre erinnert Hans Peter Kurr an seine eigene Jugend im Theater im Zimmer. Mit 29 wurde er durch einen Regisseur an Gerda Gmelin vermittelt, die ebenfalls mit dem Geld knapsen musste. „Wir bekamen sieben Mark Abendgage und gingen anschließend in die gegenüberliegende Kneipe. Dann war das Geld weg“, erinnert sich Kurr. Die Kulturbehörde hat übrigens Subventionierung signalisiert, wenn Kurrs Start erfolgreich wird. Zum Januar 2016 könnte eine nächste Produktion folgen. (ch)

„Hunger und Durst“ läuft bis 7. November. Weitere Infos: Theater im Zimmer
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