30 Jahre selbstbewusst „queer“

Anzeige
Machen sich stark für das mhc: Steve Behrmann, Ralf Federspiel, Martin Schneekloth und Wiebke FuchsFoto: Haas/wb
 
30 Jahre mhc: Eine Bronzetafel am Borgweg 8 erinnert an das JubiläumFoto: Haas

Magnus Hirschfeld Centrum feiert am Borgweg Jubiläum

Von Waltraut Haas
Winterhude. Sie sind „queer“: schwul, lesbisch oder transgeschlechtlich. Doch nach ihrem Slogan „selbstbewusst andersrum“ zu leben, war nicht immer selbstverständlich. Ein Wegbereiter für Toleranz und Gleichstellung war das Magnus Hirscheld Centrum (mhc) am Borgweg, das vor 30 Jahren als ein gemeinnütziges Beratungs-, Kommunikations- und Kulturzentrum geschaffen wurde.
Und das wurde am vergangenen Donnerstag gebührend gefeiert. Seit Mai 1983 fanden viele Menschen hier eine unentbehrliche Anlaufstelle. „Wer heute hierher kommt, kann ganz entspannt so sein, wie er ist. Viele Leute bringen auch ihre Hetero-Kumpel mit.“ erklärt Steve Behrmann, 49. Der Leiter der mhc-Beratungsstelle lässt die Jahrzehnte Revue passieren. „Das wissen gerade auch die Jugendlichen zu schätzen. Hier müssen sie sich nicht verstellen.“ ergänzt Wiebke Fuchs, die das Schulaufklärungsprojekt „soorum“ in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut für Lehrerfortbildung koordiniert. Immerhin wird das Schulprojekt seit einem Jahr von der Stadt gefördert.

Homosexuelle Senioren werden oft ausgegrenzt

Im Lauf der Jahrzehnte entwickelte das mhc eine große Bandbreite von Aufgaben und Aktivitäten – allen voran die Beratung. Heute lägen eindeutige Schwerpunkte der Arbeit etwa in der Betreuung der Senioren. „Sie bauten vor 30 Jahren das mhc gegen so manchen Widerstand auf.“
Heute müssen sie wieder darum kämpfen, dass sie auch im Alter schwulen- oder lesbengerecht leben dürfen“, so Behrmann. Einen Platz in Seniorenwohnungen bekomme oft nur, wer sein Anderssein verberge. „Wir müssen noch dickere Bretter bohren zum Thema Wohnen und Lebensformen im Alter, damit Schwule und Lesben im Altersheim nicht verstummen.“

Schwerpunkt
Jugendarbeit

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Jugendarbeit. Der im vergangenen Jahr eröffnete Jugendtreff habe sich gut bewährt. „Er wird super angenommen und gut besucht“, freut sich Wiebke Fuchs.
Zudem hat sich das mhc geöffnet für die Beratung von Trans-Menschen, in Zusammenarbeit mit der transgeschlechtlichen Selbsthilfegruppe Switch. Der gesellschaftliche Öffnungsprozess dauert noch an: Erst seit 2011, mit der Modernisierung des Transsexuellen-Gesetzes durch ein Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts, haben sie es leichter, ihr juristisches Geschlecht anerkennen zu lassen.

Toleranz – außer die
Kinder sind „andersrum“

Bürgermeister oder gar Außenminister, die öffentlich bekennen, dass sie schwul sind: Das sei noch von drei Jahrzehnten undenkbar gewesen, sagen die mhc-Mitarbeiter. Gut zwei Drittel der Bevölkerung geben sich inzwischen liberal. Allerdings nehme die Toleranz zu oft wieder ab, wenn sich zeigt, dass die eigenen Kinder „andersrum“ sind.
Trotz der Liberalisierung bleibe es eben immer noch schwierig, schwul oder lesbisch zu sein. „Früher wurde man diskriminiert, und man hatte es schwer mit dem Coming out“, erklärt Ralf Federspiel.
Der 47-Jährige kümmert sich um die kaufmännische Verwaltung des mhc. „Heute besteht die Schwierigkeit darin, diskrimiert werden zu können. Dann wird das Coming out oft zur lebenslangen Angelegenheit und psychischen Belastung.“
In Sachen Gleichstellung bleibt also weiterhin viel zu tun. Gefeiert wurde am Borgweg trotzdem: „Danke für 30 Jahre Unterstützung“ stand auf der Einladung zum Jubiläum. Unter den Gästen war unter anderem die Senatorin für Justiz und Gleichstellung, Jana Schiedek (SPD).
Info: www.mhc-hamburg.de
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige