Abschied vom Kellerbleek

Anzeige
Unersetzlich: Über Jahrzehnte gewachsene Idylle am Kellerbleek Foto: wh

Wehmut und Aufbruchstimmung vor Umzug der Kleingärtner

Von Waltraut Haas
Groß Borstel
Den Abschied betrauerten sie schon Mitte September bei einer Party. Bevor ihre Gärten plattgemacht werden, können sie Ende Januar umziehen – möglichst mit allen Pflanzen. Denn das Ausweichgelände zwischen Haldenstieg und Groß Borsteler Chaussee wird derzeit noch für die Ersatzgärten vorbereitet. Bis auf einige erhaltenswerte Bäume wurde es dafür schon gerodet. „Unsere Tage sind hier also gezählt“, erklären Sibylle Dawson und Wolfgang Schubert, die beiden Vorsitzenden des Kleingartenvereins Bahn-Landwirtschaft am Kellerbleek.
Wie berichtet, müssen die 75 Parzellen dem Wohnungsbauprojekt „Tarpenbeker Ufer“ weichen. Da kommt Wehmut auf. Immerhin habe der jahrelange Protest gegen die Planierung der Gärten eine vernünftige Ausweichfläche gebracht. „Das Gelände liegt nicht aus der Welt und es kann durchaus attraktiv werden“, meint Sibylle Dawson zuversichtlich. Gemischte Gefühle spiegeln sich auch in den Namensvorschlägen der Mitglieder für das neue Gelände: „Runddorf“ könnte es heißen, wegen seiner dorfähnlichen Struktur rund um das Vereinshaus in der Mitte. Oder „Schreberpark“ – wegen des parkartigen Charakters, in dem die herkömmliche symmetrische Anordnung der Parzellen in Reih‘ und Glied endlich vermieden werde. Der Vorschlag „Borstenhalde“ spiegle Widerborstigkeit und Protest, die an den Haldenstieg führen.

„Wir schaffen das!“


Das Motto „Wir schaffen das!“ hätte sich nicht als durchsetzungsfähig erwiesen. „Obwohl es doch Zuversicht vermitteln sollte“, lächelt Joachim Lühmann. Der Geschäftsführer des Vereins Bahn-Landwirtschaft verwaltet 1.500 Vereinsparzellen in Hamburg. An diesem Sonntag berät er seine Schützlinge am Kellerbleek. „Zuerst geht es darum, dass der Verein am neuen Standort fortgeführt wird“, sagt er bestimmt. „Und dass möglichst alles, was hier wächst, mit umgezogen wird. Auch Stauden und Büsche.“

Nachfolger gesucht


Wolfgang Schubert seufzt dagegen, wenn er an seine prächtige Sternmagnolie denkt. Ob man den alten Baum schonend genug umzusetzen kann? Nicht zu denken an die alten Obstbäume. Und die vielen Jahre, bis die Gartenidylle am Haldenstieg wieder entsteht. Zehn ältere Parzelleninhaber haben aufgegeben. „Sie scheuen die Mühe und den finanziellen Aufwand“, so Schubert traurig. „Wir bekommen zwar eine gesetzlich festgelegte Entschädigung, aber die deckt nur etwa ein Fünftel der tatsächlichen Kosten“, erklärt Sybille Dawson. Lühmann bemüht sich indessen um günstige Kleinkredite für die Anschaffung von Lauben, die alten werden abgerissen. Nur das Vereinshaus kann demontiert und am Haldenstieg wieder aufgebaut werden. Immerhin gibt es auch Chancen: Zehn Parzellennachfolger können auf dem neuen Gelände einsteigen.

Weitere Infos auf www.tarpenbek-greens.de
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige