Abschied vom Landhaus Walter

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Seit über 30 Jahren macht er seine Musivorlieben zum Beruf: Blues- und Rock-Veranstalter Uwe Mamminga.Foto: wh

„Bluespapst“ Uwe Mamminga - weit weg von der Norm

Winterhude. Im vergangenen Jahr erhielt er den „German Blues Award“ in der Kategorie „Club“. Sein Downtown Bluesclub im Landhaus Walter für 400 Gäste und mit jährlich 150 Live-Veranstaltungen – vom Konzert bis zum Festival – sei weltbekannt und einmalig, so hieß es in der Laudatio. Er nehme eine Sonderstellung in der deutschen Clubszene ein.
In der Hamburger Musikszene gilt Uwe Amandus Mamminga (58), dienstältester Blues- und Rock-Veranstalter, schon lange als „Urgestein“. Seit über 30 Jahren ist er als Musikmanager tätig, und zwar nicht vom Schreibtisch aus, sondern im direkten Kontakt mit jungen und älteren Künstlern. Manchen hat er schon zu einem großartigen Comeback verholfen, ebenso förderte er Nachwuchstalente beim Start ihrer Karriere. „Ich mache Musik business weit weg von der Norm.“ sagt er. „Und zwar nicht als klassischer Schreibtischtäter, ich arbeite mit den Musikern richtig zusammen, buche nur die, die ich persönlich mag.“
Zudem mischt Mamminga mit, wo immer er sich engagieren kann, etwa für den Beatles-Platz in St. Pauli, der 2008 endlich eingeweiht werden konnte.
Jetzt steht Uwe Mamminga vor einer Entscheidung der anderen Art: Weil seine beiden Compagnons Karl-Otto Krause und Hartmut Nagel sich aus dem Geschäftsführer-Trio demnächst in den Ruhestand verabschieden, will er das Landhaus Walter aufgeben – wie kürzlich berichtet. Was nicht das Aus für den Downtown Bluesclub bedeutet. Aber der „Hamburger Bluespapst“ möchte sich künftig ganz neu und anderswo etablieren – vielleicht in Altona?
Dabei hat er – unterstützt von Lebenspartnerin Susanne Westphal und seinen Compagnons – das Landhaus Walter von einem in die Jahre gekommenen gastronomischen Betrieb seit 1996 zu einer kulturellen Institution weiterentwickelt, indem er seinen in der Gertigstraße beheimateten Downtown Bluesclub hier ansiedelte.
Seine Karriere begann Ende der sechziger Jahre, erzählt Mamminga. „Da waren nicht nur die Stones oder die Beatles. Als Junge kannte ich bald jeden Schuppen, in dem es Rock’n Roll gab.“ Zu der Zeit war Otto Waalkes noch Gitarrist, Udo Lindenberg bei den City Preachers noch Schlagzeuger, ebenso Olli Dittrich. Gemeinsam hing man nachts ab bei Onkel Pö im Lehmweg.
Richtig Feuer fing er in einem Konzert der Kinks auf der Reeperbahn, als er den Sänger Ray Davies mit „You really got me“ hörte. Danach wollte er eigentlich selber Musiker werden. Stattdessen wurde er, ohne dicke Schecks und ausgestattet mit einem Telefon, bald zu einer Anlaufadresse für Bands aus der ganzen Welt. Mamminga gründete 1978 ein Werbeatelier, schuf Platten Labels, bewarb Musiker, Plattenfirmen, Musikverlage und entwarf Plattencover. In Hamburger Clubs veranstaltete er die „Big Blues-Nights“ und „High Energy Festivals“. Ganz nebenbei engagierte er sich auch für die Stadtteilkultur. Sein Organisationstalent und seine Power sind bis heute ungebrochen. Das Programm des Downtown Bluesclubs steht: bis mindestens Ende Dezember. Und was macht der „Bluespapst“ in seiner Freizeit? Zur Entspannung legt er sich auch privat Musik auf. Dann aber Klassik oder „auch mal was ganz Bombastisches“, wie etwa „Pomp and Circumstances“ oder Opern-Hits wie Verdis Gefangenenchor aus Nabucco. (wh)
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1 Kommentar
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Bettina Jahnke aus Eilbek | 10.08.2016 | 10:11  
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