Ärger an der Alten Wöhr

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Annette Nugent und Hermann Stegemann sind sich sicher: Die baumfreie Schneise bis zum Rübenkamp erhöht auch die Lärmbelastung Foto: Haas

Anwohner: „Häppchenweise verschwindet alles Grün“

Von Waltraut Haas
Winterhude/Barmbek
Schon wieder wurden 34 Bäume gefällt. Dass 50 neue nachgepflanzt werden, kann sie nicht trösten. „Wir sehen doch dabei zu: Häppchenweise verschwindet alles Grün,“ empören sich Annette Nugent und Hermann Stegemann. Die Nachbarn vom Rübenkamp genossen früher ihre schöne Aussicht auf die alten Eichen und Buchen entlang der Saarlandstraße ebenso wie auf die Kleingärten am Güterbahnhof, alle plattgemacht für das neue Wohnquartier. „Es zählt zu den größten Bausünden Hamburgs“, finden sie. „Zudem wurde auch noch an der Bahnstrecke zwischen den Haltestellen Alte Wöhr und Barmbek fast jeder Baum gefällt.“ Darunter sehr wertvolle Hölzer wie etwa die langsam wachsenden Eichen, Buchen und Eiben, zählt Stegemann auf, ebenso Weißdornhecken, deren Beeren die Winternahrung für Singvögel lieferten.
Zu viele Bäume seien im Lauf der Jahre unnötig gefällt worden, kürzlich erst wieder sechs an der „Fuhle“. Gerade beginnen die Arbeiten für das letzte Baufeld am Alten Güterbahnhof, Ecke Alte Wöhr, wo vor Jahren sechs junge Linden nachgepflanzt wurden. „Für die Bauzufahrt zur Alten Wöhr wurde gleich wieder eine Linde gefällt.“ Hermann Stegemann zeigt erbost auf den abgesägten Stamm.
Auch in der Straße durchs neue Wohnquartier vermisst er einige junge Ahornbäume vor den Hauseingängen: kürzlich gepflanzt und schon wieder abgesägt. „So wird die Straße eben zu einer kalten Windschneiße und im Sommer heizt sie sich auf.“ Ein Bauzaun von der S-Bahnbrücke bis zur Saarlandstraße engt seit Jahren den linken Bürgersteig der Alten Wöhr unnötig ein, er ist verdreckt, von Abfällen übersät. „Bei Regen wird es oft sehr rutschig.“ klagt Annette Nugent.

„Hier ist das Niemandsland zwischen Barmbek und Winterhude: Keiner ist
zuständig, niemand fegt diese Gehwegseite.“ Annette Nugent


„Hier ist das Niemandsland zwischen Barmbek und Winterhude: Keiner ist zuständig, niemand fegt diese Gehwegseite.“ Mit ihrer Hündin Trutchen geht sie hier täglich Gassi. Der Ärger wächst beim Gang an die Ecke zur Saarlandstraße. Auf dem bereits planierten Gelände entstehen, wie berichtet, ein neuer Spiel- und Bolzplatz, den ein zusätzlicher Fuß- und Radweg zum Stadtpark säumen soll. Kostenpunkt: 500.000 Euro. „Allein dafür wurden weitere 34 Bäume gefällt.“ Mal abgesehen vom Spielplatz, helfe der neue Weg den Anwohnern der Neubauten kaum: Bis jetzt gehen sie eben ein paar Meter weiter über die Alte Wöhr.


Kein Geld für Schallschutzmauer?


„Dafür 500.000 Euro? Zugleich gönnt die Stadt uns Anwohnern nicht mal eine Schallschutzmauer zwischen der Hellbrookstraße und der Alten Wöhr.“ Die wäre dringend nötig für einen besseren Schlaf. Denn durch die Neubauten verstärkt sich der Schall der durchfahrenden Güterzüge am Rübenkamp um ein Vielfaches. „Und im nächsten Jahr geht es weiter: mit dem Neubau des Pergolenviertels und dem Busbetriebsbahnhof auf dem Gleisdreieck. Ein Jammer.“
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1 Kommentar
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Kai Debus aus Alsterdorf | 15.12.2015 | 13:56  
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