Ärgernis Gassi-Beutel

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Gassi-Beutel sind sein Metier: Inzwischen ist Arne Krämer berufstätig als Sales Manager einer Firma für Bio-Kunststoffe Fotos: Haas

Arne Krämer sagt der wilden Entsorgung der Plastiktüten den Kampf an

Von Waltraut Haas
Hamburg. Rund 25 Millionen Gassi-Beutel gibt die Stadtreinigung Hamburg jährlich kostenlos aus, um die Stadt kotfrei zu halten. Doch statt im Abfallkorb landen viele Beutel am Wegesrand oder im Gebüsch, sogar an Bäumen hängen sie. Ein ganzes Depot der schwarzen Beutel findet sich etwa unter der Jahnbrücke rund um einen Holunderstrauch.

Die zündende Idee kam Arne Krämer (29) auf seiner Joggingstrecke: gesäumt von den schwarzen Plastiktüten. Damals studierte er „International Business and Marketing“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW). Seit einem Jahr findet seine Mitmach-Aktion im Netz großen Zuspruch: Eine „Poop Bag Map“ dokumentiert die Fundstellen der Gassi-Beutel.

Rund um die Alster und im Stadtpark etwa häufen sich die Ekelpakete. Jedes einzelne wurde von Passanten mit Handy als Beweisfoto gesichert und für die interaktiven Karte hochgeladen. Die Seite ist Bestandteil seiner HAW-Masterarbeit. Und wie kommt er dazu, eingetütete Hundehäufchen wissenschaftlich zu erörtern? „Dieses Thema klingt gewiss nicht sexy.“ Doch seine Studie sei eine durchaus seriöse Kampagne zu Hundekotbeuteln.
Der Kot selbst sei biologisch abbaubar, werde aber in draußen abgelegten Gassi-Beuteln zum massiven Umweltpro-blem. Denn die Tüten bestehen aus dem nicht abbaubarem Plastik Polyethylen (PE). Für seine Bachelor-Arbeit entwickelte er deshalb schon mit Gleichgesinnten biologisch abbaubare Hundebeutel. Problem: Nur einen Cent teurer sind sie als die herkömmlichen, weshalb die Hamburger Stadtreinigung weiter an den PE-Tüten festhält. 30 Städte schwenkten jedoch schon um auf die nachhaltigen Beutel.

Besonders umweltfreundlich sei es jedoch, wenn weder Beutel noch Hundekot in die Umwelt gelangen. „Mit meiner Poop Bag Map will ich die Leute aufmerksam machen und ein Problembewusstsein schaffen“, sagt Krämer. Auch Stadtverwaltungen würden so angesprochen: „Die Datensammlung ermöglicht es, die Standplätze ihrer Mülleimer zu optimieren.“ Hundevereine zählen zu seinen Unterstützern. Der Rückblick seiner Aktion nach einem Jahr stimmt den HAW-Absolventen optimistisch: Vier Millionen Menschen habe er bislang erreicht: „Verhaltensänderungen dauern zwar lange, aber diese Aktion hat schon ein Umdenken bewirkt.“ Und Krämer bleibt weiter dran. Während der Aktion der Stadtreinigung „Hamburg räumt auf“ vom 1. bis 10. April fallen im Müll auch die zigtausende Gassi-Beutel ins Gewicht. Weitere Infos gibt‘s im Internet unter poopmap.de
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 07.04.2016 | 14:08  
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