Als auf der Festwiese Flaks standen

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Auch die Seitenwiesen wie hier beim Lese-Cafe sind an schönen Tagen stark frequentiert und bieten etwas mehr Ruhe als die große FestwieseFotos: Hollmann
 
Die Zuschauer diskutieren eifrig den besten nächsten Zug: Eine Partie Schach wie hier am Rosengarten gehört seit vielen Jahrzehnten zu den Freizeit-Klassikern der Stadtpark-Nutzung

Stadtparkserie: Heute Erholungsgebiet, zu Kriegszeiten Versorgungsfläche

Von Holger Hollmann
Winterhude. Im kommenden Jahr feiert der Stadtpark seinen 100. Geburtstag. Das Wochenblatt beschreibt in einer Serie, wie Hamburgs größter Volkspark entstand, wie er sich verändert hat und wofür er heute steht.
Aus einem Sub-Woofer donnern die Bässe zu deutschem Hip-Hop. Ein Dutzend Jugendliche haben auf einem Bollerwagen eine Stereoanlage mit gebracht und Grillen. Unweit daneben liegt eine Frau auf einer Decke und liest in einem Buch. Dazwischen lässt ein Vater mit seinem Sohn einen Drachen steigen, und in einer anderen Ecke der großen Festwiese spielt eine Gruppe von Lateinamerikanern Fußball. Die athletischen Männer fordern laut rufend auf Spanisch den Ball vom Mitspieler - eine typische Szene an einem Sommer-Wochenende im Stadtpark. Wenn das Wetter mitspielt und die Sonne scheint, kommen weit über 100.000 Besucher an einem Tag in den größten Hamburger Park. Zentraler Treffpunkt ist dabei neben den zahlreichen kleineren Rasenflächen vor allem die große Festwiese zwischen Hindenburgstraße und großem Stadtparksee. Sie wurde von den Planern des Stadtparks vor über 100 Jahren als riesiges Gemeinschaftsareal zur freien Nutzung angelegt, nach dem Vorbild der so genannten „Commons“ in englischen Parks. Mit rund 15 Hektar Rasenfläche nimmt sie gut ein Zehntel der Gesamtparkfläche ein.
„Es ist einzigartig, wie vielfältig die Festwiese genutzt wird. Die Menschen sonnen sich, grillen oder spielen Frisbee und Fußball - und alles ohne Konflikte“, sagt Egbert Willing vom Stadtpark Verein Hamburg, der das 100-jährige Jubiläum im kommenden Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen organisiert. Die intensive Nutzung der Wiese erfordert jedoch auch eine regelmäßige Lüftung und Düngung der Rasenfläche.
Ursprünglich war die Festwiese zur Eröffnung des Stadtparks 1914 mit Ulmen-Reihen gesäumt, die Mitte der 1920er-Jahre gegen eine Doppelreihe großer Linden ausgetauscht wurden. Die Nutzung der Wiese war nicht immer friedlich: Während des Zweiten Weltkriegs befanden sich mindestens drei Flakstellungen mit Kanonen und riesigen Richtscheinwerfern zur Abwehr britischer Bomber auf der Rasenfläche sowie weitere Bunkeranlagen in den Gehölzbereichen. Nach Kriegsende linderte der Stadtpark die große Not der Hamburger Bevölkerung. So wurden nicht nur viele Bäume in den harten Nachkriegswintern zu Brennholz umfunktioniert. Auf der Festwiese wurden auch Nissenhütten zur Unterbringung ausgebombter Hamburger Familien aufgestellt. Vor den runden Wellblech-Unterkünften hatten viele Bewohner kleine Selbstversorgergärten für Gemüse angelegt, um nicht zu hungern. Heute ahnt davon kaum jemand mehr etwas, wenn er um die Festwiese spaziert oder joggt - oder sich auf dem Rasen sonnt.
Doch die Festwiese ist, so groß und dominierend sie in der Gesamtarchitektur auch sein mag, nur ein Aspekt im Freizeitangebot des Stadtparks. Vor allem auf den kilometerlangen Wegen lässt sich hervorragend spazieren oder Gassi gehen, walken oder joggen. Durch das Wegenetz kann man die Routen dabei immer neu variieren. Wer es darauf anlegt, entdeckt so immer neue Ecken des Stadtparks. Der große See wird an schönen Wochenenden zudem von allerlei Wasserfahrzeugen bevölkert - vom Stehpaddler über Tret- und Ruderboote sowie Kanus bis hin zum Alsterdampfer, der auf einer Rundfahrt einen Abstecher auf den Stadtparksee macht. Und wer es lieber ruhig mag, kann den Stadtpark auch zu einer Partie Schach oder Minigolf nutzen.
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