Alsterdorfer Gleisdreieck: Rot-Grün verabschiedet Bebauungsplan

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Ein Bahnhof für mehr als 300 Busse soll auf dem Gleisdreieck Alsterdorf/Ohlsdorf entstehen Illustration: Hochbahn
 
Massive Einwände gegen die Baumrodungen kamen von Hans-Helmut Poppendieck Repro: Haas

Naturschützer üben weiter Kritik

Von Waltraut Haas
Alsterdorf
Trotz massiver Kritik und zahlreicher Einwendungen verabschiedeten die Fraktionen von SPD und Grünen am vergangenen Donnerstag in der Bezirksversammlung Nord den Bebauungsplan für einen Busbetriebshof der Hochbahn. Noch im Februar startet die bis zuletzt umstrittene Rodung von 2.800 Bäumen auf dem Alsterdorfer Gleisdreieck. Hamburgs Nahverkehr werde jetzt zukunftsgerichtet ausgebaut, ließen SPD und Grüne verlauten. Jetzt herrsche „freie Fahrt für den modernsten Busbetriebshof Deutschlands“. In der Bürgerfragestunde vor der Abstimmung hatten zahlreiche Gegner ihre Einwände gegen das Bauprojekt dargestellt. Auch Bezirksabgeordnete der CDU, der AfD und der Linken sprachen sich gegen die Waldrodung aus und plädierten für einen Aufschub der Entscheidung. Während der hitzigen Debatte rief eine wegen der Rodung aufgebrachte Seniorin: „Schämen sollten Sie sich!“ Unter großem Beifall brachte sie die Stimmung zahlreicher Gäste auf den Punkt. Ihr Appell an die rotgrünen Abgeordneten verpuffte, danach verabschiedeten sie den Bebauungsplan. Obwohl auch die Naturschutzverbände den Betrieb emissionsarmer Busse und die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs gutheißen, wandten sie sich ausdrücklich gegen die Rodung des Gleisdreiecks. Der Debatte waren sie ferngeblieben. Schon vor langem hatte der Naturschutzbund (Nabu), wie berichtet, sein Contra in einer mehrere Seiten umfassenden Stellungnahme vorgelegt. Mit der Fällung gehe nicht nur Lebensraum für Tiere und Pflanzen verloren, betonte dessen Vorsitzender Alexander Porschke. Und weiter: „Zusätzlich befürchten wir negative Auswirkungen auf das Stadtklima. Der Wald sorgt für Abkühlung im Stadtteil, filtert Schadstoffe aus der Luft und lässt das Regenwasser versickern.“
Der massive Grünverlust in Hamburg bedeute einen Verlust an Lebensqualität für Mensch und Natur. „Er konterkariert die Bemühungen des Senats um Klimaanpassung“, so Porschke. Der Bund Hamburg kritisiert ebenfalls, „dass die Alternativenprüfung offenbar nur oberflächlich durchgeführt wurde.“ Kaum glaubhaft sei, dass kein anderer Standort in Frage komme, erklärte Bund-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch. Er findet es indiskutabel, „dass der vorgeschlagene Ersatz für die Naturzerstörung in Hamburg nun im Kreis Segeberg stattfinden soll.“ Dem folgt auch Hans-Helmut Poppendieck, der Vorsitzende des Botanischen Vereins zu Hamburg. Das Gleisdreieck habe für die Artenvielfalt, den Biotopverbund und das Stadtklima eine außerordentlich große Bedeutung. „Weder die Pflanzung eines Waldes in Bad Tennstedt, Kreis Segeberg, noch die entsprechende Herrichtung von Flächen auf dem Ohlsdorfer Friedhof oder gar irgendwelche Gründächer bieten dafür einen auch nur halbwegs annehmbaren Ersatz.“ Gerade die besondere Eigenart dieses Stücks Wildnis inmitten der Stadt lasse sich so nicht ersetzen, „schon gar nicht durch forstliche oder gärtnerische Maßnahmen“, fährt Poppendieck fort. Landschaftsplaner könnten daraus sogar etwas lernen, indem sie „spontan gewachsene wilde Ecken“ zukünftig stärker im Management des öffentlichen Grüns berücksichtigen. „Leider hatte die Bevölkerung keinen Zugang zum Gleisdreieck. Jetzt verpasst sie die Chance, diese Stück Wildnis direkt vor der Haustür kennenzulernen.“
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6 Kommentare
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Michael Kahnt aus Barmbek | 17.02.2016 | 10:11  
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Markus Pöstinger aus Dulsberg | 17.02.2016 | 13:39  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 18.02.2016 | 09:51  
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Kai Debus aus Alsterdorf | 19.02.2016 | 11:14  
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Markus Pöstinger aus Dulsberg | 19.02.2016 | 12:00  
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Kai Debus aus Alsterdorf | 19.02.2016 | 17:25  
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