Alten Ortskern erhalten

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Edith Aufdembrinke (l.) und Miriam Flüß von der Initiative „WIR sind Eppendorf“ im Hinterhof Eppendorfer Landstraße 106. Hier kann sich die Initiative ein Kulturzentrum vorstellen. Gebaut werden vermutlich teure Wohnungen.Foto: Hanke
 
Sollte abgerissen werden: das Fachwerkhaus Ludolfstraße 43. Nur der Denkmalschutz hat es gerettet.

Initiative „WIR sind Eppendorf“ befürchtet einen Ausverkauf

Von Dr. Christan Hanke

Eppendorf. Es rumort nach wie vor in Eppendorf. Eine Gruppe von langjährigen Bewohnerinnen und Bewohnern, die sich in der Initiative „WIR sind Eppendorf“ zusammengeschlossen haben, protestiert nicht nur gegen Abriss und Neubau an der Eppendorfer Landstraße beim Eppendorfer Marktplatz (das WochenBlatt berichtete), sondern befürchtet weitere Veränderungen des alten Eppendorfer Ortskerns. Zwischen Eppendorfer Marktplatz und Hahnemannstraße ist schon abgerissen worden. Ein kombiniertes Geschäfts- und Wohnhaus wird hier entstehen. Zwei Häuser weiter im Hinterhof Eppendorfer Landstraße 106 hat die Allianz kürzlich das ganze stilvolle Gewerbebau-Ensemble erworben, das wohl für Wohnungen umgebaut wird. Seitenflügel sollen abgerissen werden.
Den Einbau einer Dachterrasse, eines Wintergartens und eines Aufzugs hat das Bezirksamt Hamburg-Nord im Mai und Juli dieses Jahres genehmigt.
Edith Aufdembrinke und Miriam Flüß von der Initiative „WIR sind Eppendorf“ sind entsetzt. „Gewerbe wird überall in Eppendorf verdrängt. Hier würden Räume für Kreative, ein Kulturzentrum passen. Stattdessen werden wahrscheinlich teure Wohnungen, schicke Lofts gebaut“, zeigt sich Edith Aufdembrinke enttäuscht.
Auch in der Heinickestraße nahe dem Eppendorfer Marktplatz soll neu gebaut werden. Abgerissen wird hier allerdings ein moderner Zweckbau.
Selbst eines der ältesten Häuser Eppendorfs, die Brahmsstuben in der Ludolfstraße, standen bereits auf einer Abrissliste. Der Grundeigentümer, dem auch das Nachbargrundstück an der Ecke Tewessteg gehört, hätte das Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert am liebsten beseitigt oder wenigstens komplett versetzt. Der Denkmalschutz, unter dem das Gebäude steht, verhinderte diese Pläne. Gefährdet bleibt das Fachwerkhaus, denn es steht auf einer für den Straßenverkehr ausgewiesenen Fläche.

„Schlechte Planung“

Die Initiative „WIR sind Eppendorf“ befürchtet einen Ausverkauf der Mitte Eppendorfs und vermisst eine zusammenhängende Planung für den alten Ortskern. „Es wird nur kleinteilig in einzelnen Bebauungsplänen gedacht, ohne zu gucken, ob es im Zusammehang Sinn macht. Es fehlt an Stadtplanung und es geht nur um Gewinn. Alles Neue ist eben doppelt so teuer wie das Alte“, ereifert sich Edith Aufdembrinke.
Die Abrisspläne, die zur Gründung der Initiative führten, und die Neubauplanung an der „kleinen“ Eppendorfer Landstraße, können derweil nicht weiter verfolgt werden. Noch nicht alle Eigentümer der fünf betroffenen Häuser haben, entgegen der Aussage des Investors, dem Verkauf ihres Grundstücks zugestimmt.
Aus den Antworten des Bezirksamtes Hamburg-Nord auf eine Anfrage der Linken, die einen Fragenkatalog der Initiative „WIR sind Eppendorf“ übernommen hatten, geht hervor, dass der Bebauungsplan, der für die Neubauplanung der Eppendorfer Landstraße 97-109 neu aufgestellt werden soll, derzeit „mit niedriger Priorität weiter betrieben“ wird, nachdem er 2008 eingeleitet wurde. 2014 wird mit seiner Aufstellung gerechnet. „Das ist nicht ungewöhnlich lange für einen Bebauungsplan“, erläutert dazu der Sprecher des Bezirksamtes, Peter Hansen. Die Regionalbehörde prüft unter anderem auch die Möglichkeit von planungsrechtlichen Befreiungen für den Investor. Wenn der denn noch bauen kann. (ch)
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