Architektur-Tour

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Das Projekt „The Quality Street“ von DC Residential in der Nähe des Eppendorfer Marktes soll Moderne und Historie des Stadtteils verbinden Visualisierung: DC Residential
 
Maria Koser und Wolfgang Hinsch vom Stadtteilarchiv laden zum Rundgang ein Foto: Hanke

Am 28. Mai geht es um Eppendorfs Zukunft

Eppendorf „Die Spielräume moderner Metropolen, in beliebten zentralen Stadtteilen, neue Projekte entstehen zu lassen, sind begrenzt“, hat Lothar Schubert, Geschäftsführer des Immobilienentwicklers DC Residential aus eigener Erfahrung erkannt. DC Residential verwirklicht gerade das zweite Projekt in der Nähe des Eppendorfer Marktplatzes. Doch die Nachfrage nach „individuellem Wohnen mitten in der Stadt wächst“, so Schubert. Das hat zur Folge, dass in einem Stadtteil wie Eppendorf fieberhaft nach Lücken in der nahezu vollständig vorhandenen alten Bebauung gesucht wird. Zumal zahlungskräftige potenzielle Wohnungsbesitzer und Mieter die Investoren locken. Mitunter führt diese Konstellation zu offensiv bis aggressiv auftretenden Investoren.

Stadtteil in Gefahr?


Die Wünsche der Bauherren werden seitens des Bezirksamtes Hamburg-Nord gern unterstützt, nicht zuletzt wegen des ehrgeizigen Senats-Wohnungsbauprogramms. Doch Teile der Eppendorfer Bevölkerung, vorwiegend die Alteingesessenen, sehen diese Entwicklung mit wachsendem Befremden. Sie sehen das den Stadtteil prägende Altbauqaurtier langfristig in Gefahr. Die Pläne eines Investors, gleich fünf Häuser der ältesten Eppendorfer Bebauung nahe dem Marktplatz durch einen geschlossenen Gebäudekomplex zu ersetzen, führte gar zur Gründung der Bürgerinitiative mit dem deutlichen Namen „Wir-sind-Eppendorf“. Seitdem entbrennt die Diskussion darüber, was in einem Altbaustadtteil wie Eppendorf baulich erlaubt sein soll und was nicht, immer wieder aufs Neue. Nicht immer setzen sich Investoren durch. In einem zweiten spektakulären Fall, mit dem Plan das aus den 1950er Jahren stammende Bezirksamt Hamburg-Nord und die benachbarte Grundschule St. Nikolai durch verkleinerte Neubauten zu ersetzen, um die restlichen Flächen für Wohnugsbau zu nutzen, scheiterten die Investoren am Widerstand der Schule und vieler Eppendorfer.
Dieser Fall steht im Mittelpunkt einer Diskussion mit Führung des Stadteilarchivs Eppendorf über unterschiedliche städtebauliche Grundsätze unter der weitreichenden Fragestellung „Wie wollen wir leben, arbeiten und lernen?“ (Donnerstag, 28. Mai, 18 Uhr, Treffpunkt Bezirksamt Hamburg-Nord, Kümmellstraße 5-7). Wie beantworten Insitutionen in Eppendorf und Fachleute diese Frage? Das Wochenblatt hat sich umgehört.

„Keine Käseglocke“


Das Bezirksamt Hamburg-Nord sieht es so: „Wir sind darauf angewiesen, die wenigen Nachverdichtungspotenziale klug zu nutzen und die städtebauliche Eigenart Eppendorfs, maßgeblich für dessen Beliebtheit, zu bewahren. Das heißt aber nicht, dass wir dem Stadtteil eine Käseglocke überstülpen und damit jegliche Weiterentwicklung verhindern wollen. Wir werden die gediegene Eppendorfer Mischung aus Wohnen und Arbeiten, Handel und Gewerbe, Freizeit und Erholung, ansehnlichem Stadtbild und üppigem Stadtgrün, Alt und Jung, sorgsam und mit Augenmaß wahren und gegebenenfalls schützen.“ Das Kulturhaus Eppendorf setzt auch auf die Mischung von Wohnen und Gewerbe, möchte aber günstigen Wohnraum erhalten wissen: „Weil Grund und Boden nicht vermehrbar ist, wächst seit Jahren - nicht nur in Eppendorf - der Druck auf die Altbausubstanz. Mit Neubauten lässt sich viel Geld verdienen und da gerät einiges unter die Planierraupe.“
Die Initiative Wir-sind-Eppendorf hat folgende Vorstellungen: „Wir wollen in einem lebendigen und sozial vielfältigen Stadtteil wohnen. Gründerzeithäuser und Hinterhofterrassen, beides gehört zu Eppendorf zusammen mit seinen Bewohnern! Notwendige bauliche Veränderungen müssen das respektieren und die Bürger angemessen mit in die Planung einbeziehen.“ Einer, der sich mit Eppendorfs Bauten auskennt wie kein Zweiter, ist Henning Bieger, der 20 Jahre Bauderzent im Bezirk und 16 Jahre Vizepräsident der Hamburger Architektenkammer war. Bieger mahnt an: „Alte Bauten müssen immer geschützt werden, weil sie das Viertel prägen. Man muss Stadtbildpflege wollen. Dann kann man im Bezirk viel erreichen.“ Und zur Situation am Eppendorfer Marktplatz: „Man muss spüren, dass Eppendorf eine dörfliche Vergangenheit hat. Das kann man nicht alles platt machen.“ (ch)
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