Asyl kontra Naturschutz

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Beschäftigen sich intensiv mit einer möglichen Flüchtlingsunterkunft (v.l.): Pastor Jens-Uwe Jürgensen, Barbara Nitruch und Hans-Heinrich Nölke Foto: Hanke

Flüchtlinge in „Pehmöllers Garten“: Stadtteilaktive möchten Grün erhalten

Groß Borstel Die erste Überraschung in Groß Borstel hat sich gelegt. Nun machen sich die Institutionen des Stadtteils, das Bezirksamt und die Kommunalpolitiker Gedanken über die mögliche Realisierung der in Pehmöllers Garten angedachten Zentralen Erstaufnahme (ZEA) für 600 Flüchtlinge (das Wochenblatt berichtete). Viele sind über diese Fläche als ZEA nicht besonders glücklich, betonen aber auch die Notwendigkeit der sofortigen Hilfe für die Flüchtlinge.
Pehmöllers Garten, der ehemalige Sommersitz des Hamburger Senators Pehmöller, soll, da sind sich alle einig, weitestgehend als Grünfläche erhalten bleiben. Alle sprechen sich gegen eine Erstaufnahme und für eine Folgeunterkunft aus. Der Kommunalverein in Groß Borstel hatte zunächst einen Kompromissvorschlag unterbreitet. Pehmöllers Garten solle im Rahmen der Bebauungsgrenzen mit Flüchtlingsunterkünften bebaut werden, die in dem derzeit für die Fläche gültigen Bebauungsplan Groß Borstel 6 vorgesehen sind. In dem früheren Parkgelände wollte der letzte private Eigentümer ein Hotel errichten lassen.
Die Mitgliederversammlung des Kommunalvereins hat sich zusätzlich dafür ausgesprochen, alle Optionen in Groß Borstel und der näheren Umgebung zu überprüfen, ehe Pehmöllers Garten bebaut wird. Hans-Heinrich Nölke, der erste Vorsitzende des Kommunalvereins rechnet vor, dass Groß Borstel bereits überproportional viele Flüchtlinge aufgenommen hat. „Groß Borstel beherbergt in drei Flüchtlingseinrichtungen fünf Mal so viele Einwanderer wie der ganze Bezirk Hamburg-Nord im Durchschnitt“, rechnet Nölke vor. Würde man eine weitere öffentliche Einrichtung für Jugendliche und die nahe gelegene neue Erstaufnahme im Niendorfer Teil der Papenreye hinzurechenen, beherberge Groß Borstel schon 24 Prozent aller öffentlich untergebrachten Personen im Bezirk und naher Umgebung.
Michael Werner-Boelz, Fraktionschef der Grünen in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord weist darauf hin, dass der Druck durch die Flüchtlinge enorm sei. „Deshalb ist vieles, was man sich wünscht, nicht mehr umsetzbar“, so Werner-Boelz, selbst Groß Borsteler, der den ersten Kompromissvorschlag des Kommunalvereins weiterverfolgen möchte. Wie das Bezirksamt, wäre aber auch Werner-Boelz nicht auf die Idee gekommen, Pehmöllers Garten für die Bebauung einer Flüchtlingsunterkunft vorzuschlagen. In der SPD ist die Idee, eine Folgeunterkunft in Pehmöllers Garten zu bauen, „sehr positiv aufgenommen worden“, berichtet der SPD-Bezirksabgeordnete Jörg W. Lewin. Voraussetzung: Pehmöllers Garten dürfe durch Bautätigkeiten nicht „stark geschädigt“ werden. Die CDU hat Zweifel an einer baulichen Lösung. „Die Ecke ist sehr lärmbelastet, durch den nahen Flughafen und die stark befahrene Papenreye“, sagt ihr Bezirksfraktionsvorsitzender Andreas Schott. Rachid Messaoudie von den Linken hält eine Flüchtlingsunterkunft auf dieser Fläche für „sehr unglücklich“, weil verschiedene Interessen gegeneinander ausgespielt würden: Flüchtlinge gegen Naturschutz.
Barbara Nitruch, Mitglied der Stadtteilkonferenz Groß Borstel und bereits tätig in Flüchtlingshilfen, spricht sich für eine kleine Unterkunft aus. „Die würde sich mit der schon länger bestehenden kleinen Flüchtlingsunterkunft Borsteler Chaussee 299 gut ergänzen“, findet die langjährige Kennerin der Groß Borsteler Strukturen. Sie ist guten Mutes, dass gerade Groß Borstel die Integration von Flüchtlingen bewältigen kann. Wichtig sei nun vor allem die Abstimmung zwischen Stadt und Bezirk, an der es bislang gemangelt habe. Ende der Woche will die neue Koordinierungsstelle für Flüchtlinge mit der Bezirksamtsleitung sprechen. „Stadtplanerische Überlegungen des Bezirks werden bei den Planungsgesprächen berücksichtig. Die Wiederherstellung der erhaltenswerten Grünanlage Pehmöllers Garten bleibt damit Planungsziel“, verspricht Bezirksamtsleiter Harald Rösler. (ch)
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Rainer Stelling aus St. Georg | 17.11.2015 | 15:47  
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